Apportieren
Apportieren bezeichnet eine Petplay-Praktik, bei der eine unterwürfige Person in einer tierähnlichen Rolle Gegenstände holt, als Ausdruck von Gehorsam und Rollenverteilung.
Was bedeutet Apportieren?
Apportieren bezeichnet im BDSM-Kontext (Bondage, Dominanz, Submission, Sadomasochismus) eine Rollenspielpraktik aus dem Bereich des sogenannten Petplay, bei der eine unterwürfige Person in eine tierähnliche Rolle schlüpft, meist die eines Hundes, und Gegenstände auf Aufforderung holt und zurückbringt. Der Begriff stammt aus der Jagdhundeausbildung, wo das Zurückbringen von Wild als „Apportieren“ bezeichnet wird. Im erotischen Kontext dient die Handlung weniger dem Objekt selbst als vielmehr der symbolischen Inszenierung von Gehorsam, Hingabe und Rollenverteilung zwischen dominanter und unterwürfiger Person. Es handelt sich um eine Ausdrucksform gelebter Machtdynamik, die häufig mit weiteren Elementen des Ageplay oder der Partnererziehung kombiniert wird, sich aber klar von reinen Gehorsamsübungen ohne spielerischen Tiercharakter abgrenzt.
Praxis und Ablauf
In der Praxis findet Apportieren meist in einem geschützten Rahmen statt, etwa in einem privaten Spielbereich oder einem dafür eingerichteten Dungeon. Die dominante Person, häufig als Top oder Halter bzw. Halterin bezeichnet, gibt Anweisungen, während die unterwürfige Person die Rolle eines Tieres übernimmt und Gegenstände wie Bälle, Handtücher oder andere haptische Objekte holt. Häufig kommen unterstützende Accessoires zum Einsatz, etwa eine Hundemaske, Halsband oder Knieschoner, die die Rollenidentität optisch und körperlich unterstreichen. Die Dauer variiert stark und richtet sich nach Kondition, Erfahrung und Vorlieben der Beteiligten, von wenigen Minuten als Teil einer längeren Session bis zu ausgedehnten Sequenzen. Vor Beginn wird üblicherweise abgesprochen, welche Kommandos verwendet werden, wie Lob oder Korrektur aussehen und welche körperlichen Positionen zumutbar sind. Wichtig ist eine realistische Einschätzung der eigenen körperlichen Voraussetzungen, insbesondere bei Bewegungen auf allen Vieren über längere Zeit. Die Praxis lebt von Wiederholung, Ritual und der gemeinsamen Freude an der Rollengestaltung, nicht von Perfektion oder Leistung.
Sicherheit und Konsens
Grundvoraussetzung ist die informierte und freiwillige Zustimmung aller Beteiligten, die volljährig sein müssen. Vor der Session gehört ein ausführliches Vorgespräch dazu, in dem Grenzen, Vorlieben und ein Safeword oder eine Safeword-Ampel festgelegt werden, um jederzeit eine Pause oder den Abbruch signalisieren zu können. Körperliche Risiken bestehen vor allem durch länger andauerndes Verharren auf Händen und Knien, was Gelenke, Handgelenke und Rücken belasten kann. Personen mit Vorerkrankungen der Gelenke oder der Wirbelsäule sollten vorab ärztlichen Rat einholen. Abbruchkriterien sollten klar definiert sein, etwa bei Taubheitsgefühlen, Schmerzen oder Erschöpfung. Nach der Session ist eine Phase der Nachsorge, das sogenannte Aftercare, empfehlenswert, in der emotionale und körperliche Rückmeldung Raum findet und die Rollen bewusst verlassen werden.
Verwandte Begriffe
- Ageplay – Rollenspiel mit angenommenem Alter, das ähnliche Dynamiken von Führung und Gehorsam nutzt.
- Partnererziehung – längerfristige Gestaltung von Verhalten und Gehorsam, mit der Apportieren als Übung verknüpft sein kann.
- Hundemaske – häufig genutztes Accessoire zur optischen Untermauerung der Tierrolle beim Apportieren.
- Protokoll – festgelegte Verhaltensregeln, die den Rahmen für Rollenspiele wie das Apportieren bilden können.
- Top – Bezeichnung für die aktive, führende Person, die beim Apportieren die Anweisungen gibt.
- Dungeon – räumlicher Rahmen, in dem entsprechende Rollenspiele häufig stattfinden.