Grundbegriff

Autonepiophilie

Autonepiophilie bezeichnet die erotische oder emotionale Anziehung, im Rahmen eines einvernehmlichen Rollenspiels selbst die Rolle eines Kleinkindes einzunehmen.

Auch bekannt als: Adult Baby Play · Age Play · Baby Play · Infantilismus

Was bedeutet Autonepiophilie?

Autonepiophilie bezeichnet die erotische Anziehung, selbst in die Rolle eines Säuglings oder Kleinkindes zu schlüpfen. Der Begriff setzt sich aus dem Griechischen zusammen: „autos“ (selbst), „nepios“ (Kleinkind) und „philia“ (Zuneigung). Im BDSM-Kontext wird das Thema meist unter dem Sammelbegriff Age Play beziehungsweise, spezifischer, als Adult Baby-Rollenspiel verhandelt. Es handelt sich um eine Form von Rollenspiel zwischen erwachsenen, informierten und einvernehmlich handelnden Personen, bei der Regression, Fürsorge und Kontrollabgabe im Zentrum stehen. Abzugrenzen ist die Praxis klar von jeglicher sexueller Handlung mit oder Fantasie über tatsächliche Minderjährige, was strafrechtlich relevant und in keiner Weise Teil des Konzepts ist. Autonepiophilie beschreibt ausschließlich das freiwillige Einnehmen einer kindlichen Rolle durch erwachsene Beteiligte innerhalb eines abgesprochenen Spielrahmens.

Praxis und Ablauf

In der Praxis übernimmt eine Person die Rolle des „Adult Baby“, während eine andere, häufig als Domina, Betreuungsperson oder „Mommy“ beziehungsweise „Daddy“ bezeichnet, die fürsorgliche oder anleitende Gegenrolle einnimmt. Der Rahmen wird vorab besprochen und kann von kurzen Sitzungen bis zu längeren, mehrstündigen Arrangements reichen. Typische Elemente sind kindliche Kleidung, Utensilien wie Schnuller oder Kuscheltiere, sowie Rituale wie Füttern, Vorlesen oder Spielanweisungen. Manche Sitzungen beinhalten auch strengere, erzieherische Momente, andere bleiben rein verspielt und zärtlich. Die Intensität und die konkreten Inhalte hängen stark von den individuellen Wünschen ab und werden im Vorgespräch festgelegt. Wichtig ist, dass die Regression als bewusst gewählte, zeitlich begrenzte Erfahrung verstanden wird, die der erwachsenen Person Entspannung, Nähe oder Kontrollabgabe ermöglicht. Die dominante oder betreuende Rolle sorgt währenddessen für den sicheren Rahmen, behält die Übersicht über Ablauf und Wohlbefinden und passt das Geschehen situativ an. Eine feste Schrittfolge existiert nicht, da der Ablauf stets individuell gestaltet wird.

Sicherheit und Konsens

Grundvoraussetzung ist ein ausführliches Vorgespräch, in dem Wünsche, Grenzen und persönliche Trigger offen besprochen werden. Ein Safeword oder ein alternatives Signal, etwa bei eingeschränkter Sprachfähigkeit in der Rolle, muss vorab vereinbart und jederzeit respektiert werden. Da die Rolle emotional regressive Zustände auslösen kann, ist besondere Achtsamkeit gegenüber psychischer Verletzlichkeit geboten. Abbruchkriterien sollten klar definiert sein, etwa bei aufkommendem Unwohlsein oder ungewollten Erinnerungen. Nach der Sitzung ist eine sorgfältige Nachsorge, das sogenannte Aftercare, wichtig, um die Person behutsam aus der Rolle zurückzuführen und emotionale Stabilität wiederherzustellen. Erfahrungsaustausch mit kundigen Personen oder Fachleuten wird empfohlen, insbesondere wenn intensive emotionale Reaktionen zu erwarten sind. Bei psychischen Vorerkrankungen ist ärztlicher oder therapeutischer Rat sinnvoll, um mögliche Wechselwirkungen mit der Rollenerfahrung einzuschätzen.

Verwandte Begriffe

  • Schulerziehung – verwandtes Rollenspiel mit hierarchischer Lehrer-Schüler-Dynamik statt Baby-Rolle.
  • Ausbildungsstunde – strukturierte Sitzung mit erzieherischem Fokus, thematisch angrenzend an Age Play.
  • Unterwerfung – grundlegendes Prinzip der Kontrollabgabe, das auch der Autonepiophilie zugrunde liegt.
  • Dominant – übernimmt in solchen Szenarien häufig die fürsorgliche oder anleitende Gegenrolle.
  • Fixierungsspiele – können ergänzend eingesetzt werden, wenn Bewegungseinschränkung Teil des Rollenspiels ist.
  • Safeword-Ampel – abgestuftes Signalsystem, das besonders bei eingeschränkter Kommunikation in der Rolle hilfreich ist.
Alle beschriebenen Praktiken setzen einvernehmliches Handeln unter volljährigen, informierten Erwachsenen voraus. Dieser Text ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.
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