Grundbegriff

Casting-Rollenspiel

Das Casting-Rollenspiel simuliert ein Bewerbungs- oder Auswahlgespräch, bei dem eine dominante Person die prüfende Rolle übernimmt und die unterlegene Person bewertet oder ausgewählt wird.

Auch bekannt als: Casting-Play · Bewerbungs-Rollenspiel · Audition-Spiel

Was bedeutet Casting-Rollenspiel?

Das Casting-Rollenspiel ist eine Spielform im BDSM-Kontext, bei der die Situation eines Bewerbungsgesprächs oder einer Modell- beziehungsweise Schauspiel-Aufnahmeprüfung nachgestellt wird. Die dominante Person übernimmt die Rolle der prüfenden Instanz, die unterlegene Person schlüpft in die Rolle der oder des Bewerbenden, die sich einer Bewertung, Musterung oder Auswahl unterzieht. Der Reiz liegt im Gefälle zwischen scheinbarer Alltagssituation und der darunterliegenden Machtdynamik: Kontrolle, Bewertung und Unterordnung werden in ein vertrautes, gesellschaftlich codiertes Format gekleidet. Abzugrenzen ist das Format von reinen Interview- oder Verhör-Rollenspielen, die stärker auf Befragung als auf Bewertung setzen, sowie von der Anbetungsstunde, die eine andere Machtrichtung betont. Ursprünglich stammt das Motiv aus der Fantasie klassischer Model- oder Talent-Castings und wurde für den BDSM-Kontext adaptiert.

Praxis und Ablauf

In der Praxis wird häufig ein fiktiver Rahmen geschaffen, etwa ein vermeintliches Casting für eine Agentur, eine Produktion oder einen exklusiven Auftrag. Die dominante Person übernimmt die Gesprächsführung, stellt Fragen, gibt Anweisungen zu Haltung oder Präsentation und äußert Bewertungen, die von wohlwollend bis abweisend reichen können. Die unterlegene Person begibt sich in die Position der zu Prüfenden und reagiert entsprechend der zuvor abgesprochenen Rollenlogik. Der Rahmen kann sehr kurz gehalten sein, etwa als Einstieg in eine längere Session, oder als eigenständiges Spiel von einer halben bis zu mehreren Stunden angelegt werden. Hilfsmittel wie Kleidung, ein Notizblock, eine Kamera-Attrappe oder ein vorbereitetes Bewerbungsformular unterstützen die Illusion, sind jedoch nicht zwingend erforderlich. Wichtig ist eine klare Absprache über Inhalt, Tonfall und Grenzen der Bewertung im Vorfeld, da Kritik und Zurückweisung im Spiel gezielt eingesetzt werden und emotional wirksam sein können. Die Rollenverteilung bleibt in der Regel während der gesamten Sequenz stabil, kann aber je nach Vereinbarung auch wechseln.

Sicherheit und Konsens

Grundvoraussetzung ist ein ausführliches Vorgespräch zwischen volljährigen, informierten Erwachsenen, in dem Erwartungen, persönliche Grenzen und empfindliche Themen besprochen werden. Da beim Casting-Rollenspiel oft mit Ablehnung, Kritik oder Bloßstellung gearbeitet wird, sollte vorab geklärt werden, welche Formulierungen als spielerisch und welche als verletzend empfunden werden könnten. Ein Safeword, also ein vereinbartes Signalwort zum sofortigen Unterbrechen der Handlung, sowie klar definierte Abbruchkriterien gehören zum verantwortungsvollen Umgang mit diesem Format. Psychische Belastungen können auch nach vermeintlich harmlosen verbalen Szenen auftreten, insbesondere wenn reale Unsicherheiten berührt werden; entsprechende Erfahrung im Umgang mit emotional intensiven Rollenspielen ist daher hilfreich. Eine Auszeit während des Spiels sowie eine strukturierte Aftercare-Phase im Anschluss, in der beide Seiten aus der Rolle heraustreten und das Erlebte gemeinsam einordnen, werden empfohlen. Bei bestehenden psychischen Vorbelastungen kann der Rat einer entsprechend qualifizierten Fachperson sinnvoll sein.

Verwandte Begriffe

  • Anbetungsstunde – setzt im Gegensatz zum Casting eine verehrende statt bewertende Machtrichtung ein.
  • Feminisierung – kann als Rollenelement innerhalb eines Castings zur Identitätsumformung genutzt werden.
  • Kleiderständer-Rolle – verwandtes Rollenspiel, bei dem Präsentation und Bewertung von Kleidung im Vordergrund stehen.
  • Triggerwort – dient wie das Safeword als Signal, das eine Szene sofort unterbricht.
  • Auszeit – kurze Unterbrechung innerhalb des Rollenspiels zur Klärung oder Erholung.
  • Whisper Network – informeller Austausch über Erfahrungen, der auch bei der Vorbereitung solcher Rollenspiele Orientierung bieten kann.
Alle beschriebenen Praktiken setzen einvernehmliches Handeln unter volljährigen, informierten Erwachsenen voraus. Dieser Text ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.
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