Grundbegriff

Ignorierspiele

Ignorierspiele bezeichnen eine einvernehmliche BDSM-Praxis, bei der die dominante Person der unterwürfigen Person zeitweise gezielt Aufmerksamkeit entzieht, um Machtgefälle und Bindungsbedürfnis erlebbar zu machen.

Auch bekannt als: Silent Treatment · Zuwendungsentzug

Was bedeutet Ignorierspiele?

Ignorierspiele bezeichnen eine Form der psychologischen Machtausübung innerhalb einvernehmlicher BDSM-Praxis, bei der die dominante Person der unterwürfigen Person bewusst Aufmerksamkeit entzieht. Der Begriff leitet sich schlicht vom Verb „ignorieren“ ab und beschreibt damit ein Spiel mit Nähe und Distanz statt mit körperlichem Schmerz oder Zwang. Im BDSM-Kontext gehört diese Praxis zum Bereich der Machtdynamik und des Erniedrigungsspiels, ist jedoch klar von aggressiver Zurückweisung oder emotionaler Vernachlässigung im Alltag abzugrenzen: Sie findet ausschließlich in einem vereinbarten, zeitlich begrenzten Rahmen statt. Verwandt, aber nicht identisch, sind Konzepte wie das Masturbationsverbot oder Haushaltsdienst, bei denen Kontrolle über andere Kanäle ausgeübt wird. Ignorierspiele setzen gezielt auf das Bedürfnis nach Anerkennung und Zuwendung, das durch dessen zeitweiligen Entzug intensiviert und anschließend bewusst wieder erfüllt werden kann.

Praxis und Ablauf

In der praktischen Umsetzung wird die unterwürfige Person für eine zuvor vereinbarte Zeitspanne konsequent übersehen: Blicke, Ansprache oder körperliche Zuwendung bleiben aus, während die dominante Person sich anderen Tätigkeiten oder auch anwesenden Dritten zuwendet. Der Rahmen wird vorab klar definiert, etwa Ort, Dauer und Intensität des Ignorierens sowie mögliche Ausnahmen. Häufig wird die Praxis mit weiteren Elementen kombiniert, etwa mit einem Haushaltsdienst, der stillschweigend zu verrichten ist, oder mit Wartepositionen, die Geduld und Selbstbeherrschung fordern. Hilfsmittel sind selten notwendig, gelegentlich kommen Blickabwendung, Kopfhörer oder räumliche Trennung zum Einsatz, um den Effekt zu verstärken. Die Rollenverteilung folgt dem klassischen Muster aus dominanter und unterwürfiger Position, wobei gerade hier ein hohes Maß an Beobachtungsgabe seitens der dominanten Person gefragt ist, um Reaktionen der anderen Person trotz vermeintlicher Nichtbeachtung wahrzunehmen. Nach Ablauf der vereinbarten Zeit endet die Ignoranz bewusst und wird häufig durch eine besonders zugewandte Phase abgelöst.

Sicherheit und Konsens

Wie bei allen BDSM-Praktiken ist ein ausführliches Vorgespräch Grundvoraussetzung, in dem persönliche Grenzen, emotionale Vorbelastungen und ein Safeword festgelegt werden, das auch bei rein psychologischen Spielen jederzeit gültig bleibt. Da Ignorierspiele gezielt an Bindungsbedürfnissen ansetzen, können sie bei Personen mit Verlustängsten oder belastenden Vorerfahrungen stärkere emotionale Reaktionen auslösen als geplant. Abbruchkriterien sollten daher konkret benannt und ernst genommen werden. Eine sorgfältige Nachsorge, häufig in Form eines Nachsorgeprotokolls, ist unerlässlich, um Unsicherheiten aufzufangen und die Beziehung wieder zu festigen. Bei bekannten psychischen Vorbelastungen empfiehlt sich der Rückgriff auf Erfahrung und gegebenenfalls fachlichen Rat, etwa durch therapeutisch geschulte Fachpersonen, bevor derartige Spiele durchgeführt werden.

Verwandte Begriffe

  • DDlg – Beziehungsdynamik, in der Zuwendungsentzug ebenfalls als Erziehungselement genutzt werden kann.
  • Haushaltsdienst – wird oft mit Ignorierspielen kombiniert, da Aufgaben ohne direkte Ansprache verrichtet werden.
  • Masturbationsverbot – weitere Form der Kontrolle über Bedürfnisse statt über Körperlichkeit.
  • Nachsorgeprotokoll – strukturierte Aftercare, die nach emotional intensiven Ignorierspielen besonders wichtig ist.
  • Pro-Domina – professionelle Anbieterin, die Ignorierspiele als Teil eines vereinbarten Session-Konzepts einsetzen kann.
  • Dungeon Monitor – Aufsichtsperson, die in Playspaces auch bei psychologischen Spielen auf Einhaltung der Regeln achtet.
Alle beschriebenen Praktiken setzen einvernehmliches Handeln unter volljährigen, informierten Erwachsenen voraus. Dieser Text ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.
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