Model Release
Ein Model Release ist die schriftliche Einwilligung einer Person zur Erstellung und Nutzung von Bild- oder Videomaterial aus einer BDSM-Session.
Was bedeutet Model Release?
Der Begriff „Model Release“ stammt ursprünglich aus der Fotografie und bezeichnet dort eine schriftliche Vereinbarung, mit der eine abgebildete Person der Nutzung und Veröffentlichung von Bild- oder Videomaterial zustimmt. Im BDSM-Kontext wurde der Begriff übernommen, um die Einwilligung einer dargestellten Person in die Erstellung, Verwendung und gegebenenfalls Weitergabe von Aufnahmen aus einer Session zu dokumentieren. Es handelt sich also weniger um eine Praktik als um ein organisatorisches und rechtliches Element professioneller Zusammenarbeit, insbesondere wenn Fotos oder Videos entstehen, die später gezeigt oder verkauft werden. Abzugrenzen ist das Model Release von der allgemeinen Einverständniserklärung zu Session-Inhalten selbst, die separat und meist im Vorgespräch geklärt wird. Beide Dokumente ergänzen sich, betreffen aber unterschiedliche Aspekte: das eine die Handlung, das andere deren mediale Verwertung.
Praxis und Ablauf
In der professionellen Praxis wird ein Model Release meist vor Beginn einer Session besprochen und schriftlich festgehalten, häufig in Kombination mit weiteren Absprachen zu Inhalten und Grenzen. Domina und Model legen gemeinsam fest, ob und in welchem Umfang Aufnahmen entstehen dürfen, wofür sie verwendet werden – etwa für private Dokumentation, Portfolio oder kommerziellen Vertrieb – und ob eine Anonymisierung, etwa durch Maskierung des Gesichts, gewünscht ist. Auch die Dauer der Nutzungsrechte, mögliche Vergütung sowie das Recht auf spätere Widerrufsanfragen können Bestandteil der Vereinbarung sein. Als Hilfsmittel dienen meist standardisierte Formulare, die individuell angepasst werden, sowie eine Ausweiskontrolle zur Bestätigung der Volljährigkeit. Der eigentliche Ablauf erfolgt in ruhiger, sachlicher Atmosphäre, getrennt vom eigentlichen Session-Geschehen, damit alle Beteiligten die Tragweite der Unterschrift in vollem Bewusstsein erfassen können. Wiederholte Zusammenarbeit wird häufig durch fortlaufende oder aktualisierte Vereinbarungen begleitet, insbesondere wenn sich Nutzungswünsche ändern.
Sicherheit und Konsens
Grundvoraussetzung für ein gültiges Model Release ist die informierte und freiwillige Zustimmung einer volljährigen Person, die zum Zeitpunkt der Unterschrift die Bedeutung und Konsequenzen der Vereinbarung vollständig versteht. Ein ausführliches Vorgespräch klärt, welche Aufnahmen entstehen dürfen und welche Verwendungszwecke ausgeschlossen bleiben. Da die Veröffentlichung von Bildmaterial dauerhafte Folgen haben kann, empfiehlt sich besondere Sorgfalt: Bedenkzeit vor der Unterschrift, die Möglichkeit, Fragen zu stellen, und im Zweifel eine rechtliche Beratung. Ein Widerruf ist rechtlich oft nur eingeschränkt möglich, weshalb Klarheit vor Vertragsschluss wesentlich ist. Abbruchkriterien für die Session selbst werden unabhängig davon über Safewords geregelt. Nach Abschluss der Aufnahmen und der Session gehört ein ruhiges Nachgespräch, das sogenannte Aftercare, zum professionellen Standard, um Unsicherheiten bezüglich der getroffenen Vereinbarungen zu besprechen und offene Fragen zu klären.
Verwandte Begriffe
- Clip-Verkauf – kommerzielle Verwertung von Aufnahmen, für die ein Model Release häufig die rechtliche Grundlage bildet
- Erlaubnispflicht für Prostitutionsstätten – angrenzendes rechtliches Feld, das professionelle Session-Räume betreffen kann
- Yes-No-Maybe-Liste – Instrument zur Abstimmung von Grenzen, das auch für Aufnahmewünsche genutzt werden kann
- D/s – Rollenkonzept aus Dominanz und Unterwerfung, in dem Model Releases organisatorisch eingebettet sein können
- § 223 StGB – Strafnorm zur Körperverletzung, relevant für rechtliche Rahmenbedingungen einvernehmlicher Praktiken