Reitkleidung
Reitkleidung bezeichnet ein Rollenspielkonzept im BDSM, bei dem Reitsport-Ausrüstung wie Zaumzeug und Gerte genutzt wird, um ein Machtgefälle zwischen führender und geführter Person darzustellen.
Was bedeutet Reitkleidung?
Reitkleidung bezeichnet im BDSM-Kontext ein Rollenspiel- und Ausstattungskonzept, das sich an der klassischen Pferdesport-Ausrüstung orientiert. Der Begriff umfasst sowohl die Bekleidung der dominanten Person – etwa Reitstiefel, Reithose und Gerte – als auch Zaumzeug-ähnliche Utensilien, die einer devoten Person angelegt werden, um sie in eine Pony- oder Pferderolle zu versetzen. Diese Spielart ist eng mit dem sogenannten Pony-Play verwandt, einer Unterform des Pet-Trainings, bei der menschliches Verhalten spielerisch dem eines Tieres angenähert wird. Reitkleidung dient dabei als visuelles und haptisches Symbol für Machtgefälle, Führung und Kontrolle. Abzugrenzen ist der Begriff von reiner Fetischkleidung ohne Rollenspielbezug, da bei der Reitkleidung stets ein narrativer Rahmen – die Beziehung zwischen Reiter oder Reiterin und Pferd – im Vordergrund steht.
Praxis und Ablauf
In der praktischen Umsetzung wird vor Beginn festgelegt, welche Rolle jede Person einnimmt und welche Ausrüstung zum Einsatz kommt. Die dominante Person kleidet sich häufig in Reitstiefel, enge Hosen und führt eine Gerte oder Leine mit, während die devote Person mit Zaumzeug, Trense genannten Kopfstücken oder ähnlichen Accessoires ausgestattet wird. Diese Elemente werden über Karabiner oder Schnallen miteinander verbunden, um Führung und Bewegungsspielraum kontrolliert zu gestalten. Der Ablauf kann von kurzen, spielerischen Sequenzen bis zu längeren Sitzungen reichen, die einem festen Trainingsritual ähneln, etwa dem Erlernen bestimmter Gangarten oder Haltungen. Häufig wird die Szene durch klare Kommandos strukturiert, die im Vorfeld gemeinsam definiert wurden. Die Dauer richtet sich nach körperlicher Belastbarkeit und Erfahrung der devoten Person, wobei Pausen eingeplant werden. Hilfsmittel wie Polster oder Knieschoner können eingesetzt werden, um Gelenke bei kniender oder vierbeiniger Fortbewegung zu entlasten. Der gesamte Rahmen wird stets vorab abgesprochen und während der Szene flexibel angepasst.
Sicherheit und Konsens
Grundvoraussetzung für Reitkleidung als Praxis ist ein ausführliches Vorgespräch, in dem Erwartungen, körperliche Einschränkungen und persönliche Grenzen offen besprochen werden. Ein vorab vereinbartes Safeword ermöglicht es der devoten Person, die Szene jederzeit zu unterbrechen oder zu beenden. Da Zaumzeug und Führungselemente den Bewegungsspielraum und teils die Atmung beeinflussen können, sollten diese ausschließlich von erfahrenen Personen mit fundierter Kenntnis über Materialkunde und Anlegetechniken verwendet werden. Kniende oder vierbeinige Positionen über längere Zeit können Gelenke und Kreislauf belasten, weshalb regelmäßige Kontrolle des Wohlbefindens erforderlich ist. Bei gesundheitlichen Vorbelastungen empfiehlt sich vorab ärztlicher Rat. Nach der Szene ist eine ruhige Nachsorgephase, das sogenannte Aftercare, wichtig, um emotionale und körperliche Anspannung abzubauen und das Erlebte gemeinsam nachzubesprechen.
Verwandte Begriffe
- Pet-Training – übergeordnetes Konzept, dem Reitkleidung als spezialisierte Rollenspielform zugeordnet werden kann.
- Trense – zentrales Requisit der Reitkleidung, das Kopf und Führung der devoten Person symbolisiert.
- Karabiner – Verbindungselement, das Leinen oder Zaumzeug sicher mit anderen Ausrüstungsteilen verknüpft.
- SSC – Safe, Sane, Consensual – grundlegendes Prinzip, das auch bei Reitkleidungs-Szenen als Orientierung dient.
- Soft Limit – Grenze, die im Vorgespräch berücksichtigt wird, etwa bezüglich Dauer oder Intensität der Rolle.
- Umbenennung – verwandtes Element im Rollenspiel, wenn der devoten Person ein Pferdename gegeben wird.