Grundbegriff

Sekretär

Der Sekretär ist eine unterwürfige Rolle im BDSM, bei der administrative und protokollarische Aufgaben im Dienst einer dominanten Person übernommen werden.

Auch bekannt als: Dienstsekretär · Protokollführer · Sub-Sekretär · Secretary (englisch)

Was bedeutet Sekretär?

Der Begriff „Sekretär“ bezeichnet im BDSM-Kontext eine Rolle, in der eine unterwürfige Person administrative, organisatorische oder protokollarische Aufgaben für eine dominante Person übernimmt. Die Bezeichnung ist einer klassischen Büro- und Verwaltungsfunktion entlehnt und überträgt deren Elemente aus Struktur, Disziplin und Dienstbarkeit auf eine erotisch oder machtbezogen aufgeladene Beziehungsdynamik. Der Sekretär führt beispielsweise Terminlisten, verfasst Berichte über eigenes Verhalten oder dokumentiert Regeln und deren Einhaltung. Abzugrenzen ist die Rolle von reinem Rollenspiel ohne Machtgefälle sowie von rein häuslichen Dienstformen wie dem „Hausdiener“, da beim Sekretär vor allem geistige und organisatorische Unterordnung im Vordergrund steht, weniger körperliche Dienstleistung. Die Rolle kann eigenständig gelebt werden oder Teil eines umfassenderen Dienstverhältnisses innerhalb einer Dominanz-und-Unterwerfung-Beziehung (D/s) sein.

Praxis und Ablauf

In der praktischen Umsetzung übernimmt die als Sekretär agierende Person häufig wiederkehrende, klar umrissene Aufgaben: das Führen eines Tagebuchs über Gehorsam und Verfehlungen, das Erstellen von Übersichten zu vereinbarten Regeln oder das Verfassen schriftlicher Rechenschaftsberichte an die dominante Person. Die Rollenverteilung ist eindeutig festgelegt, wobei die dominante Person Vorgaben macht und Rückmeldung gibt, während der Sekretär diese Vorgaben strukturiert umsetzt und dokumentiert. Der zeitliche Rahmen variiert stark: Manche Paare praktizieren die Rolle punktuell während einzelner Sitzungen, andere integrieren sie dauerhaft in den Alltag einer bestehenden Beziehung. Als Hilfsmittel dienen klassische Bürowerkzeuge wie Notizbücher, Kalender, Formulare oder digitale Dokumente, die den administrativen Charakter unterstreichen. Wichtig ist, dass die Aufgaben vorab besprochen und ihre Grenzen definiert werden, damit die Rolle als bereichernd und nicht als Überforderung erlebt wird. Kreative Ausgestaltungen reichen von spielerisch-strengen bis zu sehr formalen Interaktionsformen.

Sicherheit und Konsens

Wie bei allen Rollen mit Machtgefälle ist ein ausführliches Vorgespräch unerlässlich, in dem Erwartungen, persönliche Grenzen und die gewünschte Intensität der Kontrolle geklärt werden. Ein Safeword oder ein vereinbartes Signal zum Abbruch sollte auch bei scheinbar „harmlosen“ administrativen Aufgaben feststehen, da psychischer Druck und Leistungsanspruch belastend wirken können. Abbruchkriterien sind individuell festzulegen, etwa wenn Berichtspflichten als beschämend statt bereichernd empfunden werden. Risiken liegen vor allem im psychischen Bereich, etwa durch Überforderung, Versagensängste oder ein Ungleichgewicht zwischen Anspruch und emotionaler Belastbarkeit. Erfahrungsaustausch in der Szene sowie gegebenenfalls professionelle psychologische Beratung können helfen, die eigene Belastungsgrenze realistisch einzuschätzen. Nach einer Sitzung oder nach dem Abschluss zugewiesener Aufgaben ist eine Phase der Nachsorge (Aftercare) sinnvoll, in der Rückmeldungen ausgetauscht und emotionale Reaktionen aufgefangen werden. Grundvoraussetzung bleibt stets die Einvernehmlichkeit aller Beteiligten auf Basis vollständiger Information und Freiwilligkeit.

Verwandte Begriffe

  • Anwärter – Person in einer Vorbereitungsphase, die künftig eine feste Dienstrolle wie den Sekretär übernehmen könnte.
  • Strafarbeiten – schriftliche oder organisatorische Aufgaben, die oft ähnlich wie Sekretärstätigkeiten dokumentiert werden.
  • Englische Erziehung – Erziehungsstil mit Disziplin und Protokollpflichten, der Berührungspunkte zur Sekretärsrolle aufweist.
  • Konditionierung – Methode, durch die wiederkehrende Aufgaben wie die des Sekretärs verinnerlicht werden.
  • Herrin – dominante Rolle, der gegenüber der Sekretär typischerweise Rechenschaft ablegt.
  • Halsband und Collaring – Symbol der Zugehörigkeit, das eine dauerhafte Dienstrolle wie die des Sekretärs begleiten kann.
Alle beschriebenen Praktiken setzen einvernehmliches Handeln unter volljährigen, informierten Erwachsenen voraus. Dieser Text ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.
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