Smothering
Smothering bezeichnet den kontrollierten, einvernehmlichen Entzug der Atmung durch eine dominante Person als Ausdruck von Machtgefälle und Hingabe im BDSM.
Was bedeutet Smothering?
Smothering (von englisch „to smother“, ersticken beziehungsweise ersticken lassen) bezeichnet im BDSM-Kontext eine Praxis des kontrollierten Atementzugs, bei der eine dominante Person die Atmung einer unterwürfigen Person zeitweise einschränkt, etwa durch das Auflegen der Hand, eines Körperteils oder eines Gegenstandes über Mund und Nase. Der Reiz liegt in der erlebten Kontrolle, Hingabe und körperlichen Nähe sowie in der intensiven Machtdynamik zwischen den Beteiligten. Smothering gehört zur Kategorie des Atemspiels und wird häufig im Rahmen von Machtgefälle-Szenarien wie D/s (Dominanz und Unterwerfung) praktiziert. Es ist klar abzugrenzen von Erstickungsspielen mit Strangulation, die eine andere Risikostruktur aufweisen. Aufgrund des direkten Eingriffs in eine lebenswichtige Körperfunktion zählt Smothering zu den Praktiken mit erhöhtem Risikopotenzial, die besondere Sorgfalt, Erfahrung und Aufklärung voraussetzen.
Praxis und Ablauf
In der Praxis findet Smothering meist im Rahmen einer vorher besprochenen Szene statt, in der die Rollen klar verteilt sind: Eine Person übernimmt die aktive, kontrollierende Position, die andere begibt sich in eine Position der Hingabe und des Ausgeliefertseins. Der zeitliche Rahmen ist in aller Regel sehr kurz bemessen, oft nur wenige Sekunden am Stück, mit anschließenden Erholungsphasen. Als Hilfsmittel können Hände, Kissen, Textilien oder auch Körperteile wie Oberschenkel dienen, wobei die eingesetzten Mittel und die Intensität vorab abgesprochen werden. Häufig wird Smothering in bestehende Szenarien eingebettet, etwa in Rollenspiele mit ausgeprägtem Machtgefälle oder in Anbetungsstunden, in denen körperliche Nähe und Kontrolle thematisch verbunden werden. Wesentlich ist eine kontinuierliche, aufmerksame Beobachtung der reagierenden Person durch die aktive Person, da nonverbale Signale hier eine tragende Rolle spielen. Eine detaillierte Anleitung zur Durchführung ist an dieser Stelle bewusst nicht Gegenstand der Darstellung, da die praktische Umsetzung Erfahrung, Übung und individuelle Absprache erfordert.
Sicherheit und Konsens
Smothering setzt ein ausführliches Vorgespräch voraus, in dem Grenzen, gesundheitliche Voraussetzungen, Ängste und Wünsche offen besprochen werden. Ein vorab vereinbartes Safeword oder, angesichts der eingeschränkten Sprechfähigkeit während der Praxis, ein nonverbales Signal wie ein Klopfzeichen ist unerlässlich, um die Szene jederzeit abbrechen zu können. Zu den Abbruchkriterien zählen unter anderem Panikreaktionen, Bewusstseinstrübung oder unerwartete körperliche Beschwerden. Die Risiken sind ernst zu nehmen: Sauerstoffmangel kann zu Bewusstlosigkeit, Herz-Kreislauf-Belastung oder in seltenen Fällen zu bleibenden Schäden führen. Diese Praxis sollte daher ausschließlich von Personen mit entsprechender Erfahrung und fundierter Aufklärung ausgeübt werden; bei gesundheitlichen Vorerkrankungen ist vorab ärztlicher Rat einzuholen. Im Anschluss an die Szene ist eine sorgfältige Aftercare-Phase wichtig, in der körperliche und emotionale Nachwirkungen gemeinsam aufgefangen werden, etwa durch Nähe, Beruhigung und Gespräch.
Verwandte Begriffe
- Edgeplay – Oberbegriff für Praktiken mit erhöhtem Risiko, zu denen auch Smothering gezählt wird.
- RACK – Risk-Aware Consensual Kink – Prinzip risikobewusster Einwilligung, das bei Smothering besondere Bedeutung hat.
- Einwilligungsfähigkeit – Voraussetzung dafür, dass alle Beteiligten die Tragweite und Risiken der Praxis verstehen können.
- Nüchternheitsregel – Grundsatz, wonach riskante Praktiken wie Smothering nur bei klarem Bewusstsein ausgeübt werden sollten.
- Internalisiertes Protokoll – Eingeübte Abläufe und Signale, die gerade bei eingeschränkter Kommunikation während des Smothering Sicherheit schaffen.
- M/s – Machtgefälle-Beziehungsform, in deren Rahmen Smothering als Ausdruck von Kontrolle und Hingabe vorkommen kann.