Gainer
Ein Gainer ist eine Person, die im Rahmen des Feederism einvernehmlich eine Gewichtszunahme anstrebt oder als Teil einer erotischen Dynamik erlebt.
Was bedeutet Gainer?
Der Begriff „Gainer“ stammt aus dem Englischen (to gain: zunehmen) und bezeichnet im Kontext des sogenannten Feederism beziehungsweise Feedism eine Person, die einvernehmlich und bewusst eine Gewichtszunahme anstrebt oder diese als Teil einer erotisch-fetischistischen Dynamik erlebt. Die Gegenrolle wird als „Feeder“ bezeichnet, also jene Person, die den Prozess des Zunehmens begleitet, unterstützt oder als anregend erlebt. Im klassischen BDSM-Kontext ist der Gainer kein Kernbegriff, wird aber gelegentlich in Verbindung mit Machtgefälle-Dynamiken thematisiert, etwa wenn Fütterungsrituale in eine D/s-Struktur (Dominanz und Submission) eingebettet werden. Abzugrenzen ist der Gainer von reiner Körperverehrung ohne Zunahme-Absicht sowie von medizinisch bedingten Gewichtsveränderungen, die keinen fetischistischen Hintergrund haben.
Praxis und Ablauf
In der Praxis variiert die Ausgestaltung stark zwischen den beteiligten Personen. Manche Konstellationen beschränken sich auf verbale Fantasie, Rollenspiele oder das gemeinsame Betrachten von Bildmaterial, ohne dass eine tatsächliche körperliche Veränderung angestrebt wird. Andere Paare oder Gruppen vereinbaren langfristige Prozesse, bei denen Ernährung, Fütterungssituationen und Beobachtung über Wochen oder Monate Teil der gemeinsamen Dynamik sind. Die Rollenverteilung folgt häufig einem Machtgefälle: Der Feeder übernimmt eine anleitende, fürsorgliche oder kontrollierende Position, während der Gainer sich dem Prozess unterordnet oder die Aufmerksamkeit und Fürsorge genießt. Wesentlich ist stets eine vorherige Absprache über Umfang, Dauer, gewünschte oder ausgeschlossene Elemente sowie über etwaige gesundheitliche Grenzen. Hilfsmittel können Ernährungspläne, Protokolle oder gemeinsame Rituale rund um Mahlzeiten sein. Eine Session kann sich auf einen einzelnen Termin beschränken oder Teil einer fortlaufenden Beziehungsgestaltung sein.
Sicherheit und Konsens
Da eine tatsächliche Gewichtszunahme gesundheitliche Auswirkungen haben kann, etwa auf Herz-Kreislauf-System, Gelenke oder Stoffwechsel, ist ein ausführliches Vorgespräch unerlässlich. Beteiligte sollten Grenzen, gewünschte Intensität und mögliche Ausschlusskriterien klar benennen, ein Safeword oder vereinbartes Abbruchsignal ist auch bei rein verbalen oder rollenspielbasierten Formen sinnvoll. Wer eine reale körperliche Veränderung erwägt, sollte dies nicht ohne ärztliche Begleitung tun und bestehende Vorerkrankungen berücksichtigen. Fachliche Aufklärung und Erfahrung im Umgang mit dieser Praxis sind wichtiger als schnelle Ergebnisse. Nach intensiven emotionalen oder körperlichen Situationen empfiehlt sich Aftercare, also die bewusste Nachsorge mit Gesprächen, Nähe oder Ruhephasen, um das Erlebte gemeinsam einzuordnen und eventuelle Unsicherheiten zu klären.
Verwandte Begriffe
- Muskelverehrung – verwandter körperbezogener Fetisch, bei dem körperliche Merkmale im Zentrum der erotischen Anziehung stehen.
- Sitophilie – fetischistisches Interesse an Nahrungsmitteln, das inhaltliche Berührungspunkte zum Feederism aufweist.
- M/s – Abkürzung für Master/slave-Dynamiken, in die Fütterungsrituale eingebettet sein können.
- Reflexionsgespräch – Nachbesprechung nach intensiven Sessions, relevant für die Aufarbeitung erlebter Dynamiken.
- Szeneneuling – Person ohne Vorerfahrung, für die eine ausführliche Aufklärung vor Praktiken wie dieser besonders wichtig ist.
- Kink-affirmative Therapie – therapeutischer Ansatz, der fetischistische Neigungen wie den Gainer-Wunsch nicht pathologisiert.