Grundbegriff

M/s

M/s (Master/slave) beschreibt eine dauerhafte, einvernehmliche Machtdynamik im BDSM zwischen einer dominanten und einer unterwürfigen Person.

Auch bekannt als: Master/slave · Herr/Sklavin · Herrin/Sklave · D/s-Beziehung

Was bedeutet M/s?

Die Abkürzung M/s steht für Master/slave, im deutschen Sprachraum auch als Herr/Sklavin oder Herrin/Sklave übersetzt. Sie bezeichnet eine Beziehungsform innerhalb des BDSM, bei der eine dominante Person (Master oder Herrin) und eine unterwürfige Person (slave) eine dauerhafte, meist umfassende Hierarchie leben. Anders als bei zeitlich begrenzten Sessions zwischen Domina und Klient ist M/s häufig auf eine langfristige, ganzheitliche Dynamik ausgelegt, die weite Teile des Alltags durchdringen kann. Der Begriff grenzt sich damit von kurzfristigen Rollenspielen oder rein sexuell orientierten Praktiken ab. Historisch wurzelt das Konzept unter anderem in der Tradition der sogenannten Old Guard-Kultur, aus der feste Protokolle und Rituale übernommen wurden. Grundvoraussetzung bleibt stets die Einvernehmlichkeit zwischen volljährigen, informierten Erwachsenen.

Praxis und Ablauf

In der Praxis variiert M/s stark nach individueller Ausgestaltung. Manche Konstellationen beschränken sich auf einzelne, klar abgegrenzte Zeiträume, etwa während einer Session bei einer professionellen Domina, andere Paare oder Gruppen leben die Dynamik dauerhaft im Alltag. Typisch sind feste Rollenverteilungen, Rituale wie Begrüßungsformeln, Regeln für Sprache und Verhalten sowie symbolische Kennzeichen der Unterordnung. Hilfsmittel können Halsbänder, Anweisungslisten oder Protokolle sein, die den Rahmen der Beziehung sichtbar machen. Vor Beginn werden Erwartungen, Zuständigkeiten und Grenzen in ausführlichen Gesprächen abgesteckt, oft schriftlich in Form von Vereinbarungen festgehalten. Die Dauer einer solchen Dynamik reicht von wenigen Stunden im professionellen Kontext bis zu Jahren in privaten Partnerschaften. Wichtig ist, dass die Machtübertragung stets freiwillig erfolgt und regelmäßig überprüft wird, auch wenn sie nach außen als bedingungslos erscheinen mag. Kommunikation bleibt damit ein zentraler Bestandteil, selbst wenn die gelebte Praxis strenge Hierarchien betont.

Sicherheit und Konsens

Ein ausführliches Vorgespräch bildet die Grundlage jeder M/s-Dynamik. Darin werden persönliche Grenzen, Erwartungen, gesundheitliche Voraussetzungen und Ausschlusskriterien besprochen. Ein Safeword oder ein vereinbartes Signal ermöglicht es der unterwürfigen Person, jederzeit ein Abbruchkriterium auszulösen, auch innerhalb scheinbar strikter Hierarchien. Da M/s-Beziehungen oft psychologisch intensiv sind und über lange Zeiträume wirken, empfiehlt sich Erfahrung im Umgang mit Machtgefälle sowie gegebenenfalls der Austausch mit erfahrenen Personen aus der Szene. Bei körperlich anspruchsvollen Elementen, die im Rahmen einer solchen Beziehung vorkommen können, sollten Risiken nüchtern benannt und im Zweifel ärztlicher Rat eingeholt werden. Nach intensiven Situationen ist Aftercare, also die bewusste Nachsorge mit Zuwendung, Gespräch oder Ruhephasen, ein wichtiger Bestandteil, um emotionales Gleichgewicht wiederherzustellen. Regelmäßige Reflexion der Dynamik schützt beide Seiten vor Überforderung.

Verwandte Begriffe

  • Old Guard – historische Traditionslinie, aus der viele M/s-Protokolle stammen
  • Femdom – weiblich dominierte Beziehungsform, die mit M/s-Elementen kombiniert werden kann
  • Neigung – persönliche Vorliebe, die die Ausgestaltung einer M/s-Dynamik prägt
  • Szeneneuling – Person ohne Erfahrung, für die M/s-Konzepte einer sorgfältigen Einführung bedürfen
  • Absolution – rituelle Freisprechung, die in manchen M/s-Beziehungen symbolisch genutzt wird
  • Sub Sharing – zeitweiliges Überlassen einer unterwürfigen Person, das in manchen M/s-Kontexten vorkommt
Alle beschriebenen Praktiken setzen einvernehmliches Handeln unter volljährigen, informierten Erwachsenen voraus. Dieser Text ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.
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