Reitgerte
Die Reitgerte ist ein aus dem Pferdesport stammendes, schlankes Schlagwerkzeug, das im BDSM für gezieltes, punktuelles Impact Play eingesetzt wird.
Was bedeutet Reitgerte?
Die Reitgerte stammt ursprünglich aus dem Pferdesport, wo sie als schlankes, flexibles Hilfsmittel zur Kommunikation zwischen Reiter und Pferd dient. Im BDSM-Kontext, einem Sammelbegriff für Bondage, Dominanz, Submission und Sadomasochismus, wurde sie als Schlagwerkzeug übernommen und ist heute eines der bekanntesten Requisiten für Impact Play, also das gezielte Verabreichen von Schlägen zur Erzeugung intensiver körperlicher Empfindungen. Typisch ist ein langer, dünner Schaft mit einem kleinen Lederschlag oder -lasche am Ende, wodurch punktuelle, klar abgegrenzte Reize erzeugt werden können. Abzugrenzen ist die Reitgerte von flächigeren Instrumenten wie dem Paddle oder dem Flogger, einer Peitsche mit mehreren Riemen, die breitere und diffusere Wirkungen erzielen. Die Reitgerte gilt als vielseitig einsetzbar, von sanften Berührungsreizen bis zu markanteren Schlägen, und wird sowohl in spielerischen als auch in stärker disziplinierenden Szenarien verwendet.
Praxis und Ablauf
Der Einsatz einer Reitgerte findet meist im Rahmen einer klar verteilten Rollendynamik statt, etwa zwischen einer dominanten und einer unterwürfigen Person. Vor Beginn werden Vorlieben, körperliche Zonen und Intensitätsstufen besprochen, häufig ergänzt durch eine kurze Anwärmphase, in der die empfangende Person sich auf die Reize einstellen kann. Die Schläge werden in der Regel mit steigender oder variierender Intensität gesetzt, wobei Pausen zur Rückmeldung eingebaut werden. Als Hilfsmittel dienen neben der Gerte selbst häufig Fesselungen, die die Position der empfangenden Person stabilisieren, sowie weiche Unterlagen oder Polster zum Schutz empfindlicher Körperstellen. Die Dauer einer solchen Sequenz variiert stark, von wenigen Minuten als Teil eines größeren Szenarios bis zu längeren, in Phasen gegliederten Sitzungen. Wichtig ist stets eine bewusste Auswahl der Körperregionen, wobei Bereiche mit dünner Haut oder direkt über Knochen und Gelenken gemieden werden. Erfahrene Anwendende achten zudem auf Körpersprache, Atmung und verbale wie nichtverbale Signale, um die Intensität laufend anzupassen.
Sicherheit und Konsens
Grundvoraussetzung für jede Anwendung der Reitgerte ist die informierte Einwilligung aller Beteiligten, die volljährig sein müssen. Ein ausführliches Vorgespräch klärt Grenzen, gesundheitliche Einschränkungen, gewünschte Zonen und Tabubereiche. Ein Safeword, ein vorab vereinbartes Signalwort zum sofortigen Abbruch, gehört ebenso zum Standard wie klare Abbruchkriterien für sichtbare Anzeichen von Überforderung. Risiken bestehen vor allem in Hämatomen, Hautverletzungen oder unbeabsichtigten Treffern empfindlicher Stellen, weshalb Erfahrung, gute Beobachtungsgabe und im Zweifel ärztlicher Rat unerlässlich sind. Nach der Sitzung ist Aftercare, also die einfühlsame Nachsorge mit körperlicher und emotionaler Zuwendung, ein fester Bestandteil, um beide Seiten sicher aus der intensiven Erfahrung zurückzuführen. Menschen mit Blutgerinnungsstörungen oder bestimmten Vorerkrankungen sollten vor entsprechenden Praktiken ärztlichen Rat einholen.
Verwandte Begriffe
- Sinnesspiele – nutzen wie die Reitgerte gezielte Reize zur Steuerung von Wahrnehmung und Erregung.
- Bullwhip – eine lange Peitsche, die im Vergleich zur Reitgerte andere technische Anforderungen und Wirkungen mit sich bringt.
- Fesselbank – ein Möbelstück, das häufig in Kombination mit Schlagspielen wie dem Einsatz der Reitgerte genutzt wird.
- S/M – der übergeordnete Begriff für sadomasochistische Praktiken, zu denen Impact Play mit der Reitgerte zählt.
- Screening – die vorherige Überprüfung und Absprache, die auch beim Einsatz von Reitgerten der Sicherheit dient.
- Leder – Material, aus dem der Schlag am Ende der Reitgerte häufig gefertigt ist.