Sextortion
Sextortion bezeichnet ursprünglich eine Form der Erpressung mit intimen Bildern und ist strikt von einvernehmlichen BDSM-Rollenspielen mit ähnlicher Thematik abzugrenzen.
Was bedeutet Sextortion?
Sextortion ist ein Kunstwort aus „Sex“ und „Extortion“ (englisch für Erpressung) und bezeichnet ursprünglich eine Straftat: Täter drohen damit, intime Bilder, Videos oder Chatverläufe einer Person zu veröffentlichen, um Geld, weitere Bildinhalte oder sexuelle Handlungen zu erzwingen. Der Begriff stammt aus dem Bereich der Internetkriminalität und hat keinen Ursprung in der BDSM-Kultur. Da Erpressung auf Zwang und fehlender Zustimmung beruht, widerspricht Sextortion dem Grundprinzip von Einvernehmlichkeit, das jede seriöse BDSM-Praxis trägt. Abzugrenzen ist der Begriff von einvernehmlichen Rollenspielen, in denen erpressungsähnliche Szenarien fiktiv und abgesprochen inszeniert werden, etwa im Rahmen von Consensual Non-Consent. Dort bleibt die Kontrolle stets bei allen Beteiligten, während echte Sextortion eine reale Machtausübung ohne Zustimmung darstellt und strafrechtlich relevant ist.
Praxis und Ablauf
Weil Sextortion per Definition ohne Einverständnis der betroffenen Person geschieht, gibt es hierzu keine legitime „Praxis“ im Sinne einer BDSM-Session. Beschrieben werden kann lediglich das fiktive Rollenspiel, das manche Kinkster – Menschen mit Interesse an BDSM-Praktiken – als Inspiration nutzen, um Machtgefälle, Kontrollverlust oder Bloßstellungsfantasien szenisch nachzuempfinden. In einem solchen Rahmen wird vorab klar vereinbart, welche fiktiven „Drohungen“ ausgesprochen werden dürfen, welche Themen tabu bleiben und dass keine realen Daten, Bilder oder Aufnahmen verwendet werden. Die Rollenverteilung – meist eine dominante und eine unterlegene Position – wird gemeinsam festgelegt, ebenso die Dauer der Szene und mögliche Requisiten wie Skripte oder vorab abgesprochene Textnachrichten. Entscheidend ist, dass sämtliche Inhalte ausschließlich innerhalb der vereinbarten Fiktion bleiben und jederzeit für beide Seiten erkennbar als Spiel eingeordnet werden können. Reale kompromittierende Materialien oder tatsächlicher wirtschaftlicher beziehungsweise sozialer Druck haben in einer solchen Inszenierung keinen Platz, da damit die Grenze zur echten Straftat überschritten würde.
Sicherheit und Konsens
Jede Auseinandersetzung mit dem Thema Sextortion im BDSM-Kontext erfordert ein ausführliches Vorgespräch, in dem Grenzen, Trigger und absolute Tabus benannt werden. Ein Safeword oder Codewort muss jederzeit verfügbar sein und sofort zum Abbruch der Szene führen. Da das Thema Erpressung mit Scham, Kontrollverlust und psychischem Druck verknüpft ist, besteht ein erhöhtes Risiko emotionaler Überforderung; entsprechende Erfahrung und Feinfühligkeit der dominanten Person sind unerlässlich. Eine ausführliche Nachsorge, das sogenannte Aftercare, hilft, aufkommende Verunsicherung oder Anspannung nach der Session aufzufangen. Wichtig ist zudem der klare Hinweis, dass reale kompromittierende Inhalte niemals erstellt, gespeichert oder weitergegeben werden dürfen. Bei echten Erpressungsversuchen außerhalb eines vereinbarten Spiels handelt es sich um eine Straftat; Betroffene sollten sich an Beratungsstellen oder die Polizei wenden. Fachlicher, insbesondere psychologischer Rat kann bei Verarbeitung entsprechender Erfahrungen sinnvoll sein.
Verwandte Begriffe
- Consensual Non-Consent – Rollenspielform, bei der Zwangsszenarien fiktiv und mit vorheriger Zustimmung inszeniert werden.
- Konsensunfall – Situation, in der vereinbarte Grenzen versehentlich überschritten werden, relevant zur Abgrenzung von echtem Missbrauch.
- Sexting-Erziehung – erzieherisch gerahmtes Rollenspiel rund um digitale Nachrichten, das thematisch an Sextortion-Fantasien anschließen kann.
- Denial-Apps – digitale Hilfsmittel für Verzichtsspiele, die ebenfalls auf Kontrolle über die andere Person setzen.
- Kinkster – Sammelbegriff für Personen mit BDSM-Interessen, die sich mit derartigen Rollenspielthemen befassen.
- Veranlagung – individuelle Neigung zu bestimmten Machtgefälle- oder Kontrollfantasien innerhalb des BDSM-Spektrums.