Autassassinophilie
Autassassinophilie bezeichnet die paraphile Neigung, sich real in Todesgefahr zu bringen; da echte Einwilligung in die eigene Tötung rechtlich unwirksam ist, unterscheidet sie sich grundlegend von einvernehmlichem BDSM.
Was bedeutet Autassassinophilie?
Autassassinophilie bezeichnet in der Sexualwissenschaft die paraphile Neigung, sich in Fantasie oder Realität in die Gefahr zu bringen, tatsächlich getötet zu werden, wobei die Erregung an der realen Bedrohung des eigenen Lebens hängt. Sie zählt zu den seltenen und wenig erforschten Paraphilien. Eine Neigung allein ist keine Störung im klinischen Sinn; von Krankheitswert spricht man erst, wenn erheblicher Leidensdruck entsteht oder Handlungen die eigene Sicherheit oder das Leben anderer gefährden. Da hier lebensbedrohliche Handlungen im Zentrum stehen, unterscheidet sich der Begriff grundlegend von einvernehmlichen Rollenspielen, bei denen Sicherheit, Kontrolle und Rückholbarkeit ausdrücklich gewollt sind.
Warum das kein BDSM ist
Einvernehmliches BDSM beruht auf informierter, jederzeit widerrufbarer Zustimmung aller Beteiligten sowie auf Sicherheitsabsprachen, die reale Lebensgefahr gerade ausschließen sollen. Bei Autassassinophilie steht dagegen die reale Möglichkeit des Todes im Zentrum der Erregung, nicht dessen kontrollierte Inszenierung. Eine Einwilligung in die eigene Tötung ist zudem rechtlich nicht wirksam: Tötung auf Verlangen ist nach § 216 Strafgesetzbuch strafbar, auch wenn das Opfer ausdrücklich zustimmt. Damit fehlt genau jenes Element, das BDSM von Gewalt unterscheidet – die wirksame, geschützte Einwilligung in eine begrenzte, umkehrbare Handlung. Wo Dritte in eine solche Gefährdung verwickelt werden, handelt es sich um eine Straftat, keine Praxis unter Erwachsenen auf Augenhöhe.
Hilfe und Anlaufstellen
Bei Leidensdruck, wiederkehrenden gefährlichen Impulsen oder Sorge um die eigene Sicherheit empfiehlt sich zunächst das Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt sowie die Vorstellung in einer psychotherapeutischen Sprechstunde. Sexualmedizinische Beratungsstellen und Ambulanzen an psychiatrischen Kliniken bieten spezialisierte Unterstützung. Wer befürchtet, sich selbst oder andere zu gefährden, findet Hilfe beim Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“. Betroffene und Angehörige können sich zudem an die Telefonseelsorge oder an Opferschutzorganisationen wie den Weissen Ring wenden. Besteht akute Gefahr für Leib oder Leben, ist unverzüglich der Notruf 110 zu wählen.