Forced Bi
Forced Bi bezeichnet eine einvernehmliche Fantasie oder ein Rollenspiel, in dem die Domina inszeniert, dass der Gast Nähe zu einem Mann zulassen „muss“. Der Zwang ist gespielt und vorher ausgehandelt.
Was Forced Bi bedeutet
Forced Bi, im Deutschen auch Bi-Erziehung genannt, beschreibt eine Fantasie und ein Rollenspiel aus dem Femdom-Bereich. Die Domina inszeniert eine Situation, in der der Gast scheinbar keine Wahl hat und Nähe oder sexuelle Handlungen mit einem Mann zulassen „muss“. Das Wort „forced“ bezieht sich ausschließlich auf die Inszenierung: Tatsächlich hat der Gast vorher genau ausgehandelt, was geschehen darf, und kann jederzeit abbrechen. Der Reiz liegt für manche im Gefühl, die Verantwortung für einen eigenen, vielleicht schambesetzten Gedanken an die führende Person abzugeben.
Damit steht Forced Bi dem Consensual Non-Consent nahe, bei dem gespielter Widerstand auf ausdrücklicher Zustimmung beruht. Das Spiel kann mit Zwangsfeminisierung oder der Sissy-Rolle verbunden sein, manchmal auch mit Elementen aus der Cuckold-Dynamik, in der ein Bull als dominanter Dritter auftritt.
Fantasie, Wunsch und Umsetzung
Viele Umsetzungen bleiben bewusst auf der Ebene von Worten und Vorstellung. Die Domina beschreibt, kündigt an oder spielt mit der Idee, ohne dass eine dritte Person anwesend ist. Dieses Kopfkino ist für manche der eigentliche Kern und reicht völlig aus. Andere wünschen sich eine symbolische Umsetzung ohne weitere Person, wieder andere eine reale Begegnung.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer Fantasie und dem Wunsch, sie tatsächlich zu erleben. Wer eine Vorstellung erregend findet, möchte sie nicht zwangsläufig umgesetzt sehen. In der Verhandlung sollte deshalb klar werden, auf welcher Ebene sich das Spiel bewegt und wo ein Hard Limit liegt. Eine Grenze, die heute gilt, darf auch morgen gelten; niemand muss sich schrittweise an etwas herantasten, nur weil die Fantasie es nahelegt.
Sexuelle Orientierung bleibt unberührt
Ein verbreitetes Missverständnis ist, Forced Bi könne jemanden bisexuell „machen“ oder eine Orientierung verändern. Das ist nicht der Fall. Das Rollenspiel erzeugt keine Orientierung und verändert sie nicht; es spielt mit einem Tabu, das für die beteiligte Person reizvoll ist. Eine solche Fantasie sagt für sich genommen auch nichts darüber aus, wie jemand im Alltag liebt oder begehrt. Ernsthafte Versuche, die Orientierung eines Menschen zu beeinflussen, sind kein Spiel und haben mit einvernehmlichem BDSM nichts zu tun.
Wenn eine dritte Person beteiligt ist
Kommt tatsächlich ein weiterer Mann hinzu, braucht dieser seinen eigenen, freiwilligen Konsens. Er ist kein Requisit der Szene, sondern ein gleichberechtigter Beteiligter mit eigenen Grenzen. Die Zustimmung des Gastes ersetzt seine nicht, und niemand darf unter Druck gesetzt werden, an einer solchen Szene teilzunehmen. Für körperliche Kontakte gelten die Regeln zu Safer Sex, im professionellen Rahmen außerdem die Kondompflicht.
Alle Beteiligten müssen volljährig sein und die Szene bei klarem Kopf vereinbaren. Ein Safeword oder ein anderes Stoppsignal gilt für jede beteiligte Person gleichermaßen, und jede kann es unabhängig von den anderen nutzen.
Nach der Szene
Gerade weil Forced Bi mit Scham und Tabu spielt, können danach Verunsicherung, Schuldgefühle oder Aufgewühltheit auftreten. Eine sorgfältige Nachsorge mit Gespräch hilft, das Erlebte einzuordnen. Auch Diskretion ist wichtig: Wissen über solche Fantasien ist sehr persönlich und darf niemals gegen jemanden verwendet werden.