Paraphile Störung (ICD-11)
Paraphile Störung (ICD-11) ist eine klinische Diagnose für Leidensdruck oder sexuelle Handlungen ohne Einwilligung Betroffener – anders als einvernehmliches BDSM, das auf freier Zustimmung beruht.
Was bedeutet Paraphile Störung (ICD-11)?
Die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) fasst unter „Paraphile Störungen“ sexuelle Präferenzmuster, die entweder mit erheblichem eigenem Leidensdruck einhergehen oder die tatsächliche beziehungsweise beabsichtigte sexuelle Handlung an Personen ohne deren Einwilligung einschließen, etwa weil diese nicht zustimmen können oder wollen. Eine ungewöhnliche sexuelle Neigung allein ist damit noch keine Störung. Klinisch relevant wird sie erst durch das Zusammenspiel von Kontrollverlust, Leiden oder der Betroffenheit anderer ohne deren Zustimmung. Der Begriff stammt aus der Medizin und dient der diagnostischen Einordnung, nicht der moralischen Bewertung eines Menschen. Er wird von Fachpersonen im Rahmen einer sorgfältigen Diagnostik verwendet und ist von einvernehmlich gelebten sexuellen Vorlieben klar zu unterscheiden.
Warum das kein BDSM ist
Einvernehmliches BDSM beruht auf der informierten, freiwilligen Zustimmung volljähriger Personen, die jederzeit widerrufen werden kann, sowie auf Absprachen vor der Begegnung. Paraphile Störungen im Sinne der ICD-11 betreffen dagegen Handlungen ohne Einwilligung der betroffenen Person oder mit Personen, die gar nicht einwilligungsfähig sind, sowie Zustände mit erheblichem eigenem Leidensdruck. Wo keine Zustimmung vorliegt oder vorliegen kann, endet jede Verbindung zu gelebter Erotik zwischen Erwachsenen; stattdessen kann eine Straftat vorliegen, etwa nach den Vorschriften zu sexuellem Missbrauch im Strafgesetzbuch. Die Unterscheidung ist entscheidend: Nicht die Fantasie oder Neigung wird bewertet, sondern ausschließlich die Handlung und ob sie auf gegenseitigem, freiem Einverständnis beruht.
Hilfe und Anlaufstellen
Wer bei sich einen belastenden sexuellen Drang bemerkt, findet Unterstützung bei Hausärztin oder Hausarzt, in einer psychotherapeutischen Sprechstunde sowie bei spezialisierten Beratungsstellen. Das bundesweite Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ richtet sich vertraulich an Menschen, die eine Gefährdung anderer bei sich befürchten und noch nicht straffällig geworden sind. Betroffene von Grenzverletzungen finden Unterstützung beim Weissen Ring sowie bei örtlichen Opferschutz- und Beratungsstellen. Die Telefonseelsorge steht rund um die Uhr für ein erstes Gespräch zur Verfügung. Besteht akute Gefahr für sich oder andere, ist der Notruf 110 zu wählen.