Sicherheitsschere
Die Sicherheitsschere ist ein stumpf geformtes Schneidewerkzeug, das bei Fesselungen griffbereit gehalten wird, um Material im Notfall rasch und gefahrlos durchzutrennen.
Was bedeutet Sicherheitsschere?
Die Sicherheitsschere ist ein speziell geformtes Schneidewerkzeug mit abgerundeter, stumpfer Spitze, das im BDSM-Kontext bereitgehalten wird, um Fesselungen aus Seil, Band oder Tape im Bedarfsfall rasch und ohne Verletzungsgefahr durchtrennen zu können. Der Begriff stammt aus dem medizinischen und handwerklichen Bereich, in dem solche Scheren bereits seit Langem für den Umgang mit Verbänden oder Material am Körper verwendet werden. Im Kontext von Bondage, dem Fesseln als eigenständiger Praxis oder Vorstufe zu anderen Handlungen, gilt sie als grundlegendes Sicherheitsutensil. Abzugrenzen ist sie von gewöhnlichen Haushaltsscheren, deren spitze Klingen ein Verletzungsrisiko bergen, sowie von Messern, die aufgrund ihrer Klingenform für den Noteinsatz am Körper ungeeignet sind.
Praxis und Ablauf
In der praktischen Anwendung liegt die Sicherheitsschere während einer Session, also einer verabredeten gemeinsamen Zeit, griffbereit in unmittelbarer Nähe der ausführenden Person, meist der Domina oder des Dom, einer Person in der dominanten Rolle. Vor Beginn einer Fesselung wird üblicherweise besprochen, wo das Werkzeug abgelegt wird und wer im Ernstfall darauf zugreift. Bei längeren Sitzungen mit mehreren Fesselarrangements wird die Position der Schere häufig neu überprüft, insbesondere wenn sich der Ort des Geschehens ändert. Auch die gefesselte Person, oft als devoter Part bezeichnet, wird im Vorfeld informiert, dass ein solches Werkzeug vorhanden ist, was zur Beruhigung und zum Vertrauensaufbau beiträgt. Die Schere selbst wird nicht als Requisit der Handlung eingesetzt, sondern ausschließlich als Vorsorgemaßnahme betrachtet. Erfahrene Praktizierende empfehlen, das Material der Fesselung so zu wählen, dass ein Durchtrennen im Notfall überhaupt zügig möglich ist, was bereits bei der Auswahl von Seilen oder Bändern mitbedacht wird.
Sicherheit und Konsens
Grundvoraussetzung für jede Fesselpraxis ist die informierte Zustimmung aller Beteiligten, die im Vorgespräch geklärt wird. Dabei werden Grenzen benannt, ein Safeword vereinbart, also ein Codewort zum sofortigen Abbruch, und mögliche Abbruchkriterien wie Taubheitsgefühle, starke Schmerzen oder Panikreaktionen besprochen. Fesselungen bergen reale Risiken, etwa Nervenschädigungen durch Druck oder eingeschränkte Durchblutung, weshalb Grundkenntnisse in Anatomie sowie praktische Erfahrung als unerlässlich gelten. Im Zweifel wird ärztlicher Rat empfohlen, insbesondere bei Vorerkrankungen. Die Sicherheitsschere selbst ist Teil dieses Sicherheitskonzepts, ersetzt jedoch keine grundlegende Aufklärung. Nach der Session gehört Aftercare dazu, also die gemeinsame Nachsorge mit Zuwendung, Gesprächen und Beobachtung des körperlichen und seelischen Befindens, um mögliche Nachwirkungen frühzeitig zu erkennen.
Verwandte Begriffe
- Rope Cuffs – gepolsterte Fesseln aus Seil, bei denen ebenfalls eine schnelle Lösemöglichkeit bedacht wird
- Federspiele – sanfte Reizform, die häufig mit Fesselungen kombiniert wird, bei denen Sicherheitswerkzeug bereitliegt
- Domina-Coaching – Vermittlung von Fachwissen, zu dem auch der sichere Umgang mit Fesselmaterial gehört
- Anzahlung – organisatorischer Aspekt professioneller Sitzungen, unabhängig von der eigentlichen Praxis
- Anredeformen – Teil der Rollenverteilung, die vor einer Session ebenso festgelegt wird wie Sicherheitsabsprachen
- Dom – Bezeichnung für die dominant handelnde Person, die typischerweise die Sicherheitsschere bereithält