Grundbegriff

Strappado

Strappado bezeichnet im BDSM eine Bondage-Position, bei der die hinter dem Rücken gefesselten Arme angehoben werden, was hohe Erfahrung und Vorsicht erfordert.

Auch bekannt als: Arm-Suspension · Reverse Prayer (verwandt · nicht identisch) · Strappado-Position

Was bedeutet Strappado?

Der Begriff Strappado stammt vom italienischen Wort für „reißen“ oder „ziehen“ und bezeichnet historisch eine Foltermethode, bei der die auf dem Rücken gefesselten Hände über eine Umlenkung nach oben gezogen wurden. Im heutigen BDSM-Kontext, also im einvernehmlichen Rollenspiel erwachsener Personen, meint der Begriff eine Bondage-Position, bei der die Arme hinter dem Rücken fixiert und anschließend angehoben werden, sodass Zug auf Schultern und Arme entsteht. Sie zählt zu den anspruchsvolleren Formen der Fesselkunst und wird von der weniger belastenden „Reverse Prayer“-Position abgegrenzt, bei der die Hände lediglich zusammengebunden, aber nicht angehoben werden. Strappado gilt aufgrund der Belastung von Gelenken und Nervenbahnen als Praktik mit erhöhtem Risikopotenzial.

Praxis und Ablauf

In der praktischen Umsetzung übernimmt meist eine erfahrene dominante Person die Kontrolle über Tempo, Zugkraft und Dauer der Fesselung, während die gefesselte Person, oft als Bottom bezeichnet, in einer verletzlichen und stark kontrollierten Position verweilt. Vorab werden Ablauf, gewünschte Intensität und die verwendeten Hilfsmittel besprochen, etwa gepolsterte Manschetten, Seile oder Aufhängepunkte an geeigneten Vorrichtungen wie einem stabilen Rahmen. Die Dauer der eigentlichen Position wird bewusst kurz gehalten, da bereits wenige Minuten spürbare Belastung erzeugen können. Häufig wird die Position nur angedeutet oder in abgeschwächter Form ohne vollständige Anhebung der Arme umgesetzt, um das Risiko zu begrenzen. Während der gesamten Sitzung beobachtet die dominante Person kontinuierlich Atmung, Hautfarbe und Reaktionen der gefesselten Person. Zwischenzeitliches Lösen der Spannung, Positionswechsel und verbale Rückmeldung sind fester Bestandteil eines verantwortungsvollen Ablaufs. Diese Beschreibung ersetzt keine praktische Ausbildung oder Anleitung.

Sicherheit und Konsens

Vor jeder Sitzung mit Strappado-Elementen ist ein ausführliches Vorgespräch unerlässlich, in dem gesundheitliche Einschränkungen, frühere Verletzungen und persönliche Grenzen offen benannt werden. Ein vorab vereinbartes Safeword oder ein nonverbales Signal, etwa bei eingeschränkter Sprechfähigkeit, muss jederzeit zum sofortigen Abbruch führen können. Zu den relevanten Risiken zählen Nervenschäden, insbesondere am Plexus brachialis, Schulterluxationen sowie Kreislaufprobleme durch die erzwungene Körperhaltung. Aus diesem Grund sollte diese Praktik ausschließlich von Personen mit fundierter Erfahrung und Kenntnis der Anatomie begleitet werden; im Zweifel ist ärztlicher Rat einzuholen. Nach der Sitzung ist eine sorgfältige Aftercare-Phase wichtig, in der Durchblutung und Beweglichkeit der Arme kontrolliert, Wärme und Ruhe geboten und emotionale Nachwirkungen gemeinsam besprochen werden. Anhaltende Taubheitsgefühle oder Schmerzen erfordern zeitnahe medizinische Abklärung.

Verwandte Begriffe

  • Face-up Suspension – eine Aufhängetechnik mit Blick nach oben, die ähnliche Kenntnisse über Gewichtsverteilung erfordert.
  • Bandagen – textile Hilfsmittel, die zur Polsterung und Druckverteilung bei Fesselungen eingesetzt werden.
  • Wrapping – das kunstvolle Umwickeln von Körperteilen mit Seil oder Stoff, verwandt in Technik und Ästhetik.
  • Bondagebett – ein Möbelstück mit Fixierpunkten, das als Alternative zu freistehenden Aufhängungen dient.
  • Grenzverletzung – ein Überschreiten vereinbarter Grenzen, dessen Vermeidung bei riskanten Fesselungen besondere Aufmerksamkeit erfordert.
  • Unsicherheitsspiele – Spiele mit kontrolliertem Gefühl von Ausgeliefertsein, dem auch die Strappado-Position dient.
Alle beschriebenen Praktiken setzen einvernehmliches Handeln unter volljährigen, informierten Erwachsenen voraus. Dieser Text ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.
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