Anthropophagie-Fantasie
Anthropophagie-Fantasie bezeichnet Vorstellungen rund um das Verzehren von Menschen; ihre reale Umsetzung ist eine Straftat ohne mögliche Einwilligung und hat mit einvernehmlichem BDSM nichts zu tun.
Was bedeutet Anthropophagie-Fantasie?
Der Begriff bezeichnet Vorstellungen oder Impulse, die sich um das Verzehren von Menschen drehen. In der klinischen Sexualwissenschaft wird dies gelegentlich unter dem Sammelbegriff paraphiler Vorstellungen mit Bezug zu extremer Gewalt eingeordnet. Eine Fantasie allein, die niemanden real betrifft und keinen Leidensdruck erzeugt, ist noch keine Störung und keine Straftat. Problematisch wird es erst, wenn Handlungsdruck entsteht, wenn reale Personen ohne deren Einwilligung betroffen sind oder wenn erhebliches persönliches Leid vorliegt. In diesem Eintrag geht es ausschließlich um begriffliche Einordnung und Abgrenzung, nicht um Beschreibung, Bewertung einzelner Personen oder Anleitung. Wer sich mit belastenden Gedanken dieser Art auseinandersetzt, findet im dritten Abschnitt konkrete Hilfsangebote.
Warum das kein BDSM ist
Einvernehmliches BDSM setzt voraus, dass alle Beteiligten volljährig, informiert und jederzeit widerrufsfähig zustimmen, und dass keine bleibenden Verletzungen oder Lebensgefahr entstehen. Anthropophagie im wörtlichen Sinn – das tatsächliche Töten und Verzehren eines Menschen – ist damit unvereinbar: Es zerstört die körperliche Unversehrtheit endgültig und unwiderruflich, eine wirksame Einwilligung dazu ist rechtlich nicht möglich. Handlungen dieser Art erfüllen Straftatbestände wie Mord oder Totschlag nach §§ 211, 212 Strafgesetzbuch sowie Störung der Totenruhe nach § 168 StGB. Selbst eine geäußerte Zustimmung des Opfers ändert daran nichts, da das Rechtsgut Leben nicht zur Disposition steht. Die bloße gedankliche Beschäftigung mit dem Thema unterscheidet sich davon grundlegend und ist kein BDSM, sondern gegebenenfalls ein Thema für psychotherapeutische Klärung.
Hilfe und Anlaufstellen
Wer von belastenden Fantasien betroffen ist oder befürchtet, die Kontrolle über Impulse zu verlieren, kann sich an die Hausarztpraxis, eine psychotherapeutische Sprechstunde oder eine psychiatrische Institutsambulanz wenden. Das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ richtet sich an Menschen, die eigene Impulse als gefährlich für andere erleben, und bietet vertrauliche Beratung. Betroffene von Gewalt finden Unterstützung beim Weissen Ring sowie bei örtlichen Opferschutz- und Beratungsstellen. Die Telefonseelsorge steht rund um die Uhr für akute seelische Not zur Verfügung. Besteht eine unmittelbare Gefahr für Leib oder Leben einer Person, ist umgehend der Notruf 110 zu wählen.