Hypersexualität
Hypersexualität bezeichnet ein zwanghaftes, leidvolles Sexualverhalten mit Krankheitswert – im Unterschied zum einvernehmlichen, frei gewählten BDSM zwischen informierten Erwachsenen.
Was bedeutet Hypersexualität?
Hypersexualität bezeichnet ein anhaltend gesteigertes sexuelles Verlangen beziehungsweise sexuelles Verhalten, das von den Betroffenen selbst als übermäßig, kaum kontrollierbar und belastend erlebt wird. In der Fachdiskussion wird auch von zwanghaftem Sexualverhalten gesprochen; die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) führt eine entsprechende Kategorie unter den Störungen der Impulskontrolle. Entscheidend für die klinische Einordnung ist nicht die Höhe des sexuellen Verlangens an sich, sondern der damit verbundene Leidensdruck, der Kontrollverlust und mögliche negative Folgen für Beruf, Beziehungen oder Gesundheit. Ein ausgeprägtes sexuelles Interesse allein ist keine Störung und kein Anlass zur Sorge. Erst wenn Betroffene ihr Verhalten nicht mehr steuern können, obwohl es ihnen selbst oder anderen schadet, ist von einer behandlungsbedürftigen Problematik die Rede.
Warum das kein BDSM ist
Einvernehmliches BDSM setzt voraus, dass alle Beteiligten volljährig, informiert und in der Lage sind, frei zuzustimmen; Wünsche werden im Vorfeld besprochen und können jederzeit widerrufen werden. Hypersexualität hingegen beschreibt ein innerpsychisches Kontrollproblem der betroffenen Person selbst – es geht nicht um ein gemeinsam gestaltetes Rollenspiel, sondern um einen Zustand, der unabhängig von der Zustimmung eines Gegenübers besteht und häufig gerade die eigene Handlungsfreiheit einschränkt. Wird durch hypersexuelles Verhalten die Grenze anderer Menschen ohne deren Einwilligung überschritten, etwa durch aufdringliches oder übergriffiges Verhalten, endet die private Ebene und es beginnt ein Bereich, der rechtlich relevant sein kann. Die Abgrenzung zum BDSM liegt also in der fehlenden Freiwilligkeit auf der einen und dem Krankheitswert auf der anderen Seite.
Hilfe und Anlaufstellen
Bei Leidensdruck empfiehlt sich zunächst das Gespräch mit dem Hausarzt oder einer psychotherapeutischen Sprechstunde, etwa in einer psychosomatischen Ambulanz. Beratungsstellen für Sexualität, wie sie Pro Familia anbietet, unterstützen ebenfalls. Wer Sorge hat, anderen schaden zu können, findet Unterstützung beim Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“. Betroffene, die selbst Opfer übergriffigen Verhaltens wurden, erhalten Hilfe beim Weissen Ring. Die Telefonseelsorge steht rund um die Uhr für ein erstes vertrauliches Gespräch zur Verfügung. Bei akuter Gefahr für sich oder andere gilt der Notruf 110.