Asphyxiophilie
Asphyxiophilie bezeichnet eine allein ausgeübte, hochriskante Neigung zur Sauerstoffverknappung; sie ist kein BDSM, da einvernehmliches BDSM auf gegenseitiger, widerrufbarer Zustimmung zwischen Partnern beruht.
Was bedeutet Asphyxiophilie?
Asphyxiophilie bezeichnet in der Sexualmedizin eine paraphile Neigung, bei der die eigene Erregung an eine selbst herbeigeführte Sauerstoffverknappung gekoppelt ist. Der Begriff wird in klinischen Zusammenhängen verwendet, etwa wenn Betroffene Leidensdruck verspüren oder das Verhalten mit erheblicher gesundheitlicher Gefährdung einhergeht. Eine Neigung allein ist noch keine Störung im medizinischen Sinne; entscheidend sind Leidensdruck, Kontrollverlust oder eine Gefährdung der eigenen Gesundheit bis hin zu tödlichen Verläufen, die in der Fachliteratur dokumentiert sind. Da es sich um eine solitäre, also allein ausgeübte Handlung handelt, betrifft die Frage der Einwilligung hier nicht ein Gegenüber, sondern die Fähigkeit der betroffenen Person, das eigene Risiko realistisch einzuschätzen. Genau diese Selbstgefährdung macht den Begriff medizinisch und beraterisch relevant.
Warum das kein BDSM ist
Einvernehmliches BDSM setzt zwei oder mehr informierte, einwilligungsfähige erwachsene Personen voraus, die Grenzen vorab besprechen, widerrufen können und füreinander Sorge tragen. Asphyxiophilie ist dagegen keine geteilte Praxis zwischen Partnern, sondern eine allein vollzogene, hochriskante Handlung ohne Sicherheitsabsprache und ohne Gegenüber, das eingreifen könnte. Es fehlt damit gerade jenes Element, das BDSM von reiner Selbstgefährdung unterscheidet: die gegenseitige, widerrufbare Zustimmung und die Möglichkeit, im Ernstfall zu helfen. Wird eine andere Person ohne deren wirksame Einwilligung in eine solche Handlung einbezogen oder gefährdet, liegt zudem eine Straftat vor, etwa nach § 223 des Strafgesetzbuches (Körperverletzung) oder § 222 (fahrlässige Tötung), je nach Ausgang. Die Neigung selbst wird hier nicht verurteilt, wohl aber die Gefährdung, die von der Handlung ausgeht.
Hilfe und Anlaufstellen
Wer bei sich Leidensdruck, Kontrollverlust oder wiederholte Selbstgefährdung bemerkt, findet Unterstützung bei der Hausärztin oder dem Hausarzt, in einer psychotherapeutischen Sprechstunde oder an einer sexualmedizinischen Ambulanz einer Universitätsklinik. Beratungsstellen der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung oder von Pro Familia bieten erste, vertrauliche Gespräche an. Besteht die Sorge, andere Menschen einzubeziehen oder zu gefährden, steht das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ zur Verfügung. Angehörige und Betroffene von Übergriffen können sich an den Weissen Ring wenden. Bei akuten seelischen Krisen hilft die Telefonseelsorge, bei akuter Gefahr für Leib und Leben ist der Notruf 110 zu wählen.