Dirtytalk
Das bewusste Sprechen während des Spiels — von anzüglich über anfeuernd bis herabsetzend, immer im vorher abgesteckten Wortrahmen.
Was bedeutet Dirtytalk?
Dirtytalk bezeichnet das bewusste Sprechen während des Spiels. Die Bandbreite ist groß: anzügliche Beschreibungen, Anweisungen, Lob, Beschimpfung, das Ausmalen von Situationen. Im BDSM-Kontext ist Sprache selten Beiwerk — sie trägt einen erheblichen Teil des Erlebens und ersetzt in manchen Spielarten die Handlung vollständig.
Die Wirkung erklärt sich daraus, dass Erregung zu einem großen Teil im Kopf entsteht. Ein Satz kann eine Situation erzeugen, die körperlich gar nicht stattfindet, und er kann eine Handlung deuten und damit ihre Bedeutung verändern. Genau deshalb ist die Wortwahl kein Nebenaspekt.
Praxis und Ablauf
In der Praxis lassen sich mehrere Register unterscheiden. Beschreibend — was gerade geschieht oder gleich geschehen wird. Anweisend — was zu tun ist, in welcher Haltung, mit welchem Ausdruck. Anerkennend — Lob, das für viele stärker wirkt als jede Beschimpfung. Herabsetzend — der Übergang zur Demütigung.
Für den Einstieg gilt: Weniger ist mehr. Ein sicher gesprochener kurzer Satz wirkt stärker als eine lange Passage, die unbeholfen klingt. Wer sich unsicher fühlt, beginnt mit Beschreibungen dessen, was tatsächlich passiert — das ist leicht zu treffen und wirkt trotzdem. Tempo, Lautstärke und Pausen sind dabei ebenso wichtig wie die Worte selbst; ein leise gesprochener Satz nach einer Pause trägt weiter als ein lauter.
Die häufigste Hürde ist Peinlichkeit. Hilfreich ist, das vorher anzusprechen und zu vereinbaren, dass ein missglückter Satz einfach übergangen wird. Ebenso hilfreich ist der Einstieg über Schriftliches: Was sich schwer aussprechen lässt, lässt sich oft leichter schreiben, und daraus entsteht ein Wortschatz, der später mündlich funktioniert.
Sicherheit und Konsens
Die zentrale Absprache betrifft die Worte. Es gibt Begriffe, die für die eine Person reizvoll und für die andere verletzend sind, und das lässt sich nicht erraten. Verbreitet ist, vorab eine Liste zu klären: gewünschte Ausdrücke, erlaubte Themen und ausdrücklich ausgeschlossene Bereiche. Aussehen, Beruf, Herkunft und Familie sind typische Felder, die viele ausschließen.
Wichtig ist außerdem die Trennung von Spiel und Wirklichkeit. Was in der Rolle gesagt wird, ist Teil des Spiels — und muss danach hörbar zurückgenommen werden, besonders wenn herabsetzend gesprochen wurde. Ein paar gerade Sätze im Nachgespräch verhindern, dass etwas nachhallt, das nie so gemeint war.
Wenn Sprechen Teil des Spiels ist, muss das Abbruchsignal davon klar unterscheidbar bleiben. Ein Safeword, das nicht in den Wortschatz der Szene passt, ist hier besonders sinnvoll.
Verwandte Begriffe
- Verbalerotik — die Spielart, die vollständig auf Sprache setzt.
- Demütigung — die intensivere Ausprägung des herabsetzenden Registers.
- Rollenspiele — der Rahmen, den Sprache herstellt.
- Safeword — das Signal, das sich sprachlich abheben muss.
- Verhandlung — der Ort, an dem der Wortrahmen geklärt wird.