Abgrenzung

Hybristophilie

Hybristophilie beschreibt eine Anziehung zu Menschen, die schwere Straftaten begangen haben; wegen der fehlenden Einwilligung der Opfer hat sie nichts mit einvernehmlichem BDSM zu tun.

Was bedeutet Hybristophilie?

Hybristophilie bezeichnet in der Sexualwissenschaft eine gedankliche oder gefühlsmäßige Anziehung zu Menschen, die schwere Straftaten begangen haben, etwa Gewalt- oder Tötungsdelikte. Der Begriff beschreibt also nicht eine Handlung, sondern ein Anziehungsmuster, das sich auf real existierende Täter richtet, häufig öffentlich bekannte Personen aus Strafverfahren oder Medienberichten. Eine solche Neigung ist für sich genommen keine psychische Störung; klinisch relevant wird sie erst, wenn daraus Leidensdruck entsteht oder wenn sie zu riskantem, selbst- oder fremdgefährdendem Verhalten führt, etwa zur Kontaktaufnahme mit gefährlichen Personen. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer inneren Fantasie und deren tatsächlicher Umsetzung. Der Eintrag dient ausschließlich der begrifflichen Einordnung und Abgrenzung, nicht der Beschreibung oder Bewertung einzelner Personen oder Fälle.

Warum das kein BDSM ist

Einvernehmliches BDSM setzt voraus, dass alle Beteiligten volljährig, informiert und einwilligungsfähig sind und ihre Grenzen frei und widerrufbar festlegen. Bei Hybristophilie fehlt dieser Rahmen vollständig: Die reale Straftat, auf die sich die Anziehung bezieht, wurde ohne Einwilligung der Opfer begangen. Es handelt sich nicht um ein Rollenspiel zwischen Erwachsenen, sondern um die gedankliche Beschäftigung mit tatsächlich begangener Gewalt gegenüber nicht einwilligenden Menschen. Selbst wenn zwischen der betroffenen Person und einem verurteilten Täter später eine Beziehung entsteht, ändert das nichts an der fehlenden Einwilligung der ursprünglichen Opfer. Deshalb lässt sich Hybristophilie begrifflich und ethisch nicht mit den Grundprinzipien des einvernehmlichen BDSM vereinbaren.

Hilfe und Anlaufstellen

Wer bei sich Leidensdruck, Kontrollverlust oder eine gefährliche Anziehung zu Gewalttätern bemerkt, kann sich an eine hausärztliche Praxis oder eine psychotherapeutische Sprechstunde wenden. Beratungsstellen für Sexualität und psychische Gesundheit bieten vertrauliche Erstgespräche. Wer eigene Impulse fürchtet, die anderen schaden könnten, findet Unterstützung beim Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“. Angehörige oder Betroffene von Straftaten können sich an den Weissen Ring wenden. Bei akuter seelischer Belastung hilft die Telefonseelsorge, bei unmittelbarer Gefahr für sich oder andere der Notruf 110.

Dieser Eintrag beschreibt keine einvernehmliche Spielart, sondern dient der Abgrenzung: Was hier benannt wird, findet ohne Einwilligung statt oder ist strafbar und hat mit BDSM zwischen Erwachsenen nichts zu tun. Wer sich betroffen oder gefährdet fühlt, findet oben genannte Anlaufstellen. Dieser Text ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.
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