Toppen
Die Tätigkeit des Führens und Handelns in einer Szene, unabhängig von der eigenen Rollenidentität.
Was bedeutet Toppen?
Toppen — im Englischen topping — bezeichnet die Tätigkeit des Handelns und Führens in einer Szene. Der Begriff beschreibt also ein Tun, nicht eine Identität: Man kann toppen, ohne sich als dominant zu verstehen, und man kann dominant sein, ohne in einer konkreten Szene selbst zu handeln.
Das Wort hat sich eingebürgert, weil es eine Lücke füllt. Wer sagt „ich toppe gelegentlich", trifft eine klare Aussage über die Tätigkeit, ohne sich damit auf eine Rolle festzulegen. Für Switches und für Menschen, die eine Praktik gern ausführen, ohne Führung zu übernehmen, ist das die präzisere Beschreibung.
Was die Tätigkeit umfasst
Toppen besteht aus drei Anteilen, von denen nur einer sichtbar ist. Der sichtbare ist die Handlung selbst: fesseln, schlagen, anleiten, Reize setzen. Der zweite ist die Vorbereitung — Material prüfen, Rettungsschere in Reichweite legen, Raum wärmen, Absprachen im Kopf haben, Ablauf grob planen. Der dritte und wichtigste ist die Beobachtung während der Szene.
Diese Beobachtung ist die eigentliche Kunst. Farbe und Temperatur der Finger, Atemrhythmus, Muskelspannung, Blick, Sprechfähigkeit — daraus lässt sich der Zustand des Gegenübers ablesen, oft genauer als aus dem, was gesagt wird. Wer toppt, verlässt sich nicht auf das Safeword: In tiefer Versunkenheit fällt es Menschen schwer, es überhaupt zu erinnern.
Handwerklich verlangt Toppen erlernbares Wissen. Welche Körperzonen sind bei Schlägen tabu, weil dort Nieren, Wirbelsäule oder Steißbein liegen? Wo verlaufen Nerven, die eine Fessel schädigen kann? Wie lange darf eine Klemme sitzen? Wie kühlt Wachs richtig ab? Dieses Wissen wird gelernt, nicht improvisiert — bei Erfahrenen, in Workshops, mit Übung an unkritischen Stellen.
Sicherheit und Konsens
Wer handelt, trägt die Verantwortung für sein Handeln, auch wenn eine Praktik ausdrücklich gewünscht wurde. Ein Wunsch verpflichtet nicht: Was mit dem vorhandenen Wissen nicht sicher genug umsetzbar ist, wird nicht ausgeführt. Ein klares „das kann ich nicht verantworten" ist ein Zeichen von Erfahrung, nicht von Schwäche.
Zur Tätigkeit gehört außerdem das Ende. Fesseln lösen, Haut prüfen, Wärme geben, dableiben, sprechen — die Nachsorge ist Teil des Toppens, nicht ein Anhang daran. Und auch der handelnde Part braucht danach etwas: Nach starker Anspannung folgt häufig ein Abfall, manchmal verbunden mit Zweifeln am eigenen Handeln.
Verwandte Begriffe
- Top — der handelnde Part als Bezeichnung.
- Dom — die Rollenidentität, die davon zu unterscheiden ist.
- Top-Space — der Zustand, in den beim Toppen geraten werden kann.
- Bondage-Sicherheit — ein Beispiel für das nötige Handwerkswissen.
- Aftercare — der abschließende Teil der Tätigkeit.