Atemreduktion
Spielarten, die die Atmung einschränken. Sie gehören zu den gefährlichsten Praktiken überhaupt und lassen sich nicht sicher gestalten.
Was bedeutet Atemreduktion?
Atemreduktion — im englischen Sprachraum breath play — fasst Spielarten zusammen, die die Atmung einschränken oder kurzzeitig unterbrechen. Der gesuchte Effekt ist ein Rauschzustand, der durch den sinkenden Sauerstoffgehalt im Blut entsteht.
Dieser Eintrag fällt bewusst kürzer aus als andere und enthält keine Beschreibung von Vorgehensweisen. Der Grund ist einfach: Atemreduktion gehört zu den gefährlichsten Praktiken im gesamten BDSM-Spektrum, und es gibt keine Ausführung, die sie sicher macht.
Warum die Risiken nicht beherrschbar sind
Der entscheidende Punkt ist der zeitliche Verlauf. Zwischen dem Zustand, der als angenehm empfunden wird, und einer Ohnmacht liegen oft nur Sekunden — und die Ohnmacht kündigt sich nicht zuverlässig an. Sie tritt außerdem ohne vorherige Not- oder Erstickungsempfindung ein, weshalb weder der Betroffene noch ein aufmerksamer Beobachter rechtzeitig gegensteuern kann.
Bei Druck auf den Hals kommt hinzu, dass dort Blutgefäße und Nervengeflechte verlaufen, deren Reizung einen Herzstillstand auslösen kann — auch bei geringer Krafteinwirkung, auch bei einer gesunden Person und auch dann, wenn dieselbe Handlung vorher mehrfach ohne Folgen geblieben ist. Weitere mögliche Folgen sind Sauerstoffmangel im Gehirn mit bleibenden Schäden, Kehlkopfverletzungen und Gefäßschäden, die sich erst Stunden später zeigen.
Aus diesen Gründen wird die Praktik von Fachgesellschaften, Notärzten und einem großen Teil der BDSM-Szene selbst als nicht risikoreduzierbar eingeordnet. Wesentliche Verbände raten ausdrücklich davon ab, und viele Studios und Veranstaltungen schließen sie in ihren Hausregeln vollständig aus. Auch rechtlich ist zu bedenken, dass in eine erhebliche Körperverletzung in Deutschland nicht wirksam eingewilligt werden kann — bei einem Todesfall steht der Vorwurf der Tötung im Raum, unabhängig von jeder vorherigen Absprache.
Einordnung und Alternativen
Wer den Reiz von Kontrollverlust, Enge und Ausgeliefertsein sucht, findet dafür Spielarten mit ungleich besser beherrschbarem Risiko. Häufig genannt werden Masken- und Kapuzenspiele ohne Atembehinderung, Augenbinden und Sinnesentzug, Mumifizierung mit freiem Kopf, engere Fixierungen oder Positionen, die Enge erzeugen, ohne die Atemwege zu berühren. Diese Praktiken erzeugen einen vergleichbaren psychischen Effekt, ohne die Atmung einzuschränken.
Sollte im Spiel jemand das Bewusstsein verlieren, gilt unabhängig von der Ursache: sofort alles lösen, was einengt, Notruf 112, Atmung prüfen und bei fehlender normaler Atmung unverzüglich mit der Herzdruckmassage beginnen. Zögern aus Sorge um Diskretion kostet in dieser Situation Leben.
Verwandte Begriffe
- Masken-Spiele — Sinnesentzug ohne Atembehinderung.
- Mumifizierung — Enge und Bewegungslosigkeit bei freiem Kopf.
- Hard Limit — die Grenze, die viele hier ausdrücklich setzen.
- RACK – Risk-Aware Consensual Kink — die Formel, an deren Grenze diese Praktik liegt.
- Konsens — und seine rechtliche Beschränkung bei schweren Folgen.