Gast im Studio
Gast im Studio: So nennen Studios und professionelle Dominas Menschen, die eine Session buchen. Das Wort betont Respekt, Diskretion und die Regeln des Hauses statt eines reinen Kaufgeschäfts.
Warum von Gästen die Rede ist
Im Umfeld professioneller BDSM-Angebote wird die Person, die eine Session bucht, als Gast bezeichnet. Das Wort ist bewusst gewählt. Es beschreibt ein Verhältnis, in dem jemand empfangen wird, dabei aber die Räume und Regeln einer anderen Person betritt. Anders als „Kunde“ legt es den Akzent nicht auf Kauf und Leistung, sondern auf Respekt, Vertrauen und gegenseitige Rücksicht.
Die Bezeichnung hat auch eine schützende Seite: Sie macht deutlich, dass das Honorar eine Begegnung ermöglicht, aber keinen Anspruch auf bestimmte Handlungen begründet. Die Domina entscheidet, was sie anbietet, und das Studio bestimmt, wie es in seinen Räumen zugeht.
Was von einem Gast erwartet wird
- Pünktlichkeit: Wer zu spät kommt, bringt Vorbereitung und Folgetermine durcheinander. Eine Absage erfolgt rechtzeitig und nach der vereinbarten Stornoregelung. Unangekündigtes Fernbleiben gilt als No-Show.
- Körperhygiene: Frisch gewaschen und gepflegt zu erscheinen, gehört zu den Grundregeln. Was Hygiene im BDSM darüber hinaus umfasst, betrifft beide Seiten.
- Respekt vor dem Haus: Studioregeln und das Hausrecht im Studio gelten unabhängig von den Absprachen für die Session. Wer sie missachtet, muss damit rechnen, dass die Session endet.
- Honorar vor Beginn: Das Honorar wird vor Beginn übergeben, damit das Thema Geld die Session nicht unterbricht.
- Diskretion in beide Richtungen: Die Domina schützt die Identität des Gastes, und der Gast behandelt Namen, Adresse und Erlebtes ebenso vertraulich.
- Keine Verhandlung über Tabus: Was auf der Tabuliste einer Domina steht, wird weder durch Nachfragen noch durch ein höheres Honorar möglich.
Die Haltung als Gast zeigt sich schon vor dem ersten Besuch. Die Anfrage-Etikette beschreibt, wie eine respektvolle erste Nachricht aussieht.
Gast, Sub und privater Spielpartner
Gast beschreibt die Stellung im organisatorischen Rahmen, nicht die Rolle im Spiel. In der Session selbst kann der Gast als Sub auftreten, sich einer Herrin unterwerfen und Anweisungen folgen. Diese Rolle endet mit der Session. Davor und danach begegnen sich beide als erwachsene Menschen mit gleichem Anspruch auf Höflichkeit.
Unterwerfung im Spiel hebt die Erwartungen an den Gast nicht auf: Auch wer sich in der Session führen lässt, bleibt für Pünktlichkeit, Hygiene und respektvollen Umgang selbst verantwortlich. Umgekehrt ist nicht jeder Gast devot. Manche buchen etwa ein Rollenspiel, ein Gespräch oder eine Anleitung für die eigene dominante Seite.
Von privaten Spielpartnern unterscheidet sich der Gast durch den professionellen Rahmen. Unter Privatleuten wird ausgehandelt, was beide wollen. Beim Gast kommt das Angebot der Domina hinzu: Sie legt fest, was sie anbietet, zu welchen Bedingungen und in welchem Rahmen.
Missverständnisse
Gast zu sein heißt nicht, dass alles erlaubt ist, was bezahlt wird. Die Bezeichnung bedeutet aber ebenso wenig, dass Gäste bevormundet werden. Grenzen, Wünsche und gesundheitliche Einschränkungen des Gastes werden im Vorgespräch ernst genommen, und ein Safeword gilt für ihn genauso wie in jeder anderen Session. Wer das Gefühl hat, dass diese Grundsätze auf der anderen Seite nicht eingehalten werden, darf eine Session jederzeit beenden.