Kink-Vanilla-Beziehung
Kink-Vanilla-Beziehung bezeichnet eine Partnerschaft, in der eine Person BDSM-Interessen hat und die andere diese nicht teilt. Der Begriff beschreibt eine Ausgangslage, ohne sie zu bewerten.
Kink-Vanilla-Beziehung bezeichnet eine Partnerschaft, in der eine Person BDSM-Interessen hat, die Partnerin oder der Partner diese Interessen aber nicht teilt. Der Begriff beschreibt eine Ausgangslage, keine Störung und kein Versagen einer der beiden Seiten. Er verbindet Kink als Sammelbegriff für Vorlieben abseits des Gewöhnlichen mit Vanilla als Bezeichnung für Sexualität außerhalb von BDSM und ist in beide Richtungen beschreibend gemeint.
Wie die Lage entsteht
Manchmal wird das eigene Interesse erst im Lauf einer bestehenden Beziehung deutlich, manchmal war es von Anfang an vorhanden, wurde aber nie angesprochen. Für die interessierte Person kann das Gespräch darüber Teil eines persönlichen Coming-out in der Szene sein. Für die andere Seite kann die Offenbarung überraschend kommen, Fragen auslösen oder verunsichern. Beide Reaktionen sind nachvollziehbar: Ein BDSM-Interesse ist kein Zeichen dafür, dass in der Beziehung etwas fehlt, und fehlendes Interesse ist kein Zeichen von Prüderie.
Wege, die Paare wählen
Es gibt keinen Weg, der für alle passt. In der Szene werden vor allem diese Möglichkeiten beschrieben:
- Offenes Gespräch: Beide sprechen darüber, was das Interesse bedeutet, was es nicht bedeutet und welche Sorgen bestehen, ohne dass daraus sofort eine Erwartung wird.
- Schrittweises Ausprobieren: Manche Paare testen behutsam, ob einzelne Elemente auch für die nicht interessierte Seite angenehm sind. Ein Nein bleibt dabei ein Nein; Konsens gilt in der Partnerschaft genauso wie in jeder Session.
- Kompromisse: Das Paar klärt, welche Wünsche gemeinsam Platz haben und welche nicht, etwa Rollenspiele, Sprache oder kleine Rituale, die beide mittragen.
- Vereinbarte Öffnung: Einige Paare entscheiden sich für eine Offene Beziehung, in der BDSM mit anderen Menschen gelebt werden darf, mit klaren Regeln für beide.
- Professionelle Sessions mit Wissen des Partners: Manche Paare vereinbaren, dass die interessierte Person Sessions bei einer Domina besucht. Was dabei als vereinbar gilt, klären beide selbst, gerade wenn sie für sich Monogamie vereinbart haben.
Entsteht aus dem Ausprobieren eine gemeinsame Dynamik, kann sie sich zu Formen wie der Partnererziehung entwickeln. Das setzt voraus, dass beide Seiten es wirklich wollen; Druck, Überredung oder Schuldzuweisungen gehören nicht dazu.
Wenn das Interesse verheimlicht wird
Manche Menschen entscheiden sich, ihre Neigung vor der Partnerin oder dem Partner zu verbergen und sie außerhalb der Beziehung zu leben. Das Lexikon bewertet diese Entscheidung nicht und spricht keine Empfehlung dafür oder dagegen aus. Sachlich lassen sich jedoch Risiken benennen:
- Outing-Risiko: Nachrichten, Termine oder Ausgaben können ungewollt bekannt werden.
- Vertrauensbruch: Wird das Verborgene entdeckt, kann für die andere Seite die Heimlichkeit schwerer wiegen als die Neigung selbst.
- Erpressbarkeit: Wer etwas verbirgt, kann von Dritten unter Druck gesetzt werden, die davon wissen oder es nur behaupten.
Hinzu kommen innere Belastungen. Schuldgefühle nach der Session können auftreten, unabhängig davon, ob ein Besuch abgesprochen war oder nicht. Diskretion auf Seiten einer professionellen Anbieterin schützt Daten und Identität, kann die genannten Risiken aber nicht vollständig ausschließen.
Unterstützung von außen
Paare, die allein nicht weiterkommen, können eine kink-affirmative Paarberatung in Anspruch nehmen. Gemeint sind Beratende sowie Therapeutinnen und Therapeuten, die BDSM nicht als Krankheit behandeln und beide Positionen gleichermaßen ernst nehmen. Solche Fachpersonen werden auch als Kink Aware Professionals bezeichnet. Ziel einer solchen Beratung ist nicht, eine Seite umzustimmen, sondern eine Lösung zu finden, mit der beide leben können.
Häufige Missverständnisse
- Die nicht interessierte Seite ist nicht verpflichtet, Interesse zu entwickeln, und die interessierte Seite ist nicht verpflichtet, ihre Neigung abzulegen.
- Ein BDSM-Interesse sagt nichts über Liebe oder Anziehung gegenüber der Partnerin oder dem Partner aus.
- Einmal getroffene Vereinbarungen sind nicht endgültig; sie können sich mit der Zeit ändern und neu besprochen werden.