Entführungsspiele
Rollenspiel mit inszeniertem Überraschungsmoment und Gefangenschaft — eine Spielart, die besonders sorgfältige Absprachen verlangt.
Was bedeuten Entführungsspiele?
Entführungsspiele bezeichnen ein Rollenspiel, in dem ein Überraschungsmoment und anschließende Gefangenschaft inszeniert werden. Es gehört zur Gruppe der Spielarten mit inszeniertem Zwang, bei denen im Spiel Widerstand dargestellt wird, obwohl auf der Ebene darunter vollständige Zustimmung vorliegt.
Der Reiz liegt in der Intensität, die entsteht, wenn Kontrolle nicht schrittweise abgegeben, sondern scheinbar genommen wird. Für viele ist das die stärkste Form des Ausgeliefertseins — und genau deshalb ist es eine Spielart, die eine besonders sorgfältige Vorbereitung braucht.
Praxis und Ablauf
Vereinbart wird meist ein Zeitfenster statt eines exakten Zeitpunkts: Der empfangende Part weiß, dass es an diesem Abend geschehen wird, aber nicht wann genau. Damit bleibt der Überraschungseffekt erhalten, ohne dass jemand tatsächlich unvorbereitet ist. Ebenso vereinbart werden der Ort, die beteiligten Personen und der ungefähre Ablauf.
Typische Elemente sind ein inszenierter Zugriff, das Verbinden der Augen, Fesselung, Transport innerhalb der Wohnung oder des Studios, ein Verhör und eine Phase der Gefangenschaft. Häufig schließen sich weitere Praktiken an — Verhörspiele, Inhaftierung, Benutzungsspiele.
Wesentlich ist die Klärung, was im Spiel gesagt werden darf. Weil Widerstand Teil der Darstellung ist, sind Worte wie „nein" und „hör auf" ausdrücklich zugelassen und beenden die Szene nicht. Umso wichtiger ist ein Signal, das erkennbar außerhalb der Rolle steht — und ein zweites, nichtsprachliches, falls der Mund verschlossen ist.
Sicherheit und Grenzen
Diese Spielart findet ausschließlich in geschlossenen, privaten Räumen statt. Eine Inszenierung im öffentlichen Raum ist keine Option: Unbeteiligte können nicht erkennen, dass es sich um ein Spiel handelt, und ein Polizeieinsatz mit gezogener Waffe ist eine reale und lebensgefährliche Folge. Auch ein Transport im Fahrzeug mit gefesselter oder in der Sicht eingeschränkter Person ist ausgeschlossen.
Ins Vorgespräch gehören außerdem belastende Vorerfahrungen. Die Spielart eignet sich nicht für Menschen mit einer Gewalt- oder Übergriffserfahrung in der Vorgeschichte — sie kann eine Belastungsreaktion auslösen, die weit über die Session hinausreicht. Bei Panikneigung oder Angststörung gilt dasselbe.
Weil im Spiel eine echte Stressreaktion entsteht, ist die Nachsorge hier besonders wichtig. Üblich ist ein deutlicher, unmissverständlicher Rollenausstieg — Licht an, Namen nennen, Augenbinde ab, normale Stimme — gefolgt von Wärme, Ruhe und Gespräch. Ein Stimmungstief in den Tagen danach ist bei dieser Spielart nicht ungewöhnlich.
Verwandte Begriffe
- Inhaftierung — die anschließende Phase der Gefangenschaft.
- Verhör Spiele — das häufig folgende Szenario.
- Rollenspiele — das Grundprinzip dahinter.
- Safeword — das Signal, das hier außerhalb der Rolle stehen muss.
- Aftercare — die Nachsorge nach echter Stressreaktion.