Masochismus
Die Lust am Empfangen intensiver Reize — das M in BDSM, als Empfinden und nicht als Krankheitsbild.
Was bedeutet Masochismus?
Masochismus bezeichnet die Lust am Empfangen intensiver Reize. Der Begriff geht auf den österreichischen Schriftsteller Leopold von Sacher-Masoch zurück und steht für das M in BDSM. Im Alltagsgebrauch ist er stark negativ besetzt; im BDSM-Kontext meint er ein Empfinden, kein Krankheitsbild.
Wesentlich ist die Einbettung. Derselbe Reiz, der in einer gewünschten Session als lustvoll erlebt wird, wäre unter anderen Umständen schlicht unangenehm. Was den Unterschied macht, sind Zustimmung, Vertrauen, Erwartung und der Rahmen — nicht der Reiz selbst.
Wie es sich erklären lässt
Körperlich lässt sich einiges nachvollziehen. Intensive Reize führen zur Ausschüttung körpereigener Botenstoffe, die das Empfinden dämpfen und zugleich einen Rauschzustand erzeugen können — vergleichbar dem, was Ausdauersportler beschreiben. Bei anhaltender Stimulation verschiebt sich zudem die Empfindungsschwelle, was erklärt, warum ein Aufwärmen die Verträglichkeit deutlich erhöht.
Dazu kommt eine seelische Ebene. Viele beschreiben den Zustand als Konzentration auf einen einzigen Punkt, bei dem alles andere still wird — Sorgen, Gedanken, Alltag. Andere schätzen das Erleben, etwas gemeinsam durchzustehen, oder die Aufmerksamkeit, die ihnen dabei zuteilwird. Ein Rückschluss auf Selbstwert, Vorgeschichte oder Charakter lässt sich daraus nicht ziehen.
Praktisch zeigt sich Masochismus in sehr unterschiedlichen Vorlieben. Manche mögen dumpfe, flächige Reize, andere scharfe und punktuelle; manche schätzen Wärme und Kälte, andere Druck oder Dehnung. Diese Unterschiede zu kennen ist für ein gutes Zusammenspiel wichtiger als jede allgemeine Zuschreibung.
Sicherheit und Grenzen
Die wichtigste Einschränkung betrifft die Selbsteinschätzung. In tiefer Versunkenheit verändern sich Empfinden und Zeitgefühl deutlich; was in diesem Zustand machbar erscheint, ist es oft nicht. Deshalb werden Grenzen vorher im klaren Kopf gesetzt, und der führende Part begrenzt selbst, statt sich auf ausbleibenden Widerspruch zu verlassen.
Klar abzugrenzen ist der einvernehmliche Masochismus von selbstverletzendem Verhalten. Der Unterschied liegt in Funktion und Rahmen: Das eine geschieht in einer gewünschten, begrenzten Situation mit einem Gegenüber und endet mit Zuwendung; das andere ist ein einsamer Umgang mit innerer Not. Wer bemerkt, dass er Sessions sucht, um schlechte Gefühle zu betäuben, sollte das ernst nehmen und fachliche Unterstützung suchen — das ist keine Frage der Vorliebe, sondern der Gesundheit.
Nach intensiven Sessions gehört Nachsorge dazu, ebenso das Wissen um ein mögliches Stimmungstief in den folgenden ein bis zwei Tagen. Rechtlich gilt unabhängig von jeder Absprache, dass in eine erhebliche Körperverletzung in Deutschland nicht wirksam eingewilligt werden kann.
Verwandte Begriffe
- Sadismus — das Gegenstück auf der gebenden Seite.
- Sub-Space — der Zustand, der dabei entstehen kann.
- Sub-Drop — das Stimmungstief danach.
- Flagellation — ein verbreitetes praktisches Feld.
- Aftercare — die Nachsorge nach intensiven Reizen.