Freiheitsberaubung und Nötigung
Freiheitsberaubung und Nötigung sind Straftatbestände, die Entführungs-, Käfig- und Verhörspiele berühren: Das Spiel ist nur durch Konsens gedeckt und endet mit dessen Widerruf sofort.
Was Freiheitsberaubung und Nötigung bedeuten
Freiheitsberaubung und Nötigung sind zwei Straftatbestände, die im BDSM-Kontext immer dann berührt werden, wenn Bewegungsfreiheit oder Entscheidungsfreiheit eingeschränkt wird. Freiheitsberaubung meint, einen Menschen einzusperren oder ihn auf andere Weise daran zu hindern, einen Ort zu verlassen. Nötigung meint, einen Menschen durch Gewalt oder durch die Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung zu zwingen. Beides kann im Spiel nachgestellt werden. Rechtlich und ethisch trägt dieses Spiel nur, solange der Konsens aller Beteiligten besteht.
Welche Spielarten davon abhängen
Viele Spielarten leben vom inszenierten Ausgeliefertsein: Entführungsspiele, Inhaftierung, der Aufenthalt im Käfig, Verhör Spiele oder Consensual Non-Consent. Auch bei einer Keuschhaltung mit Keyholder oder bei Sperren mit Zeitschloss wird Selbstbestimmung abgegeben. Das Erleben von Kontrollverlust ist dabei gewollt, der tatsächliche Kontrollverlust nicht. Hinter jeder Inszenierung steht eine vorherige Absprache, die festlegt, was geschieht, in welchem Rahmen und wie das Spiel jederzeit beendet werden kann.
Mit dem Widerruf endet das Spiel
Einvernehmliches Festhalten, Einsperren oder Drängen im Spiel ist nur durch den Konsens gedeckt. Wird er widerrufen, etwa per Safeword, durch ein vereinbartes nonverbales Signal oder durch ein deutliches Nein außerhalb der Rolle, endet das Spiel sofort. Jedes weitere Festhalten und jeder weitere Druck kann dann strafbar sein, unabhängig davon, was vorher vereinbart war. Eine vorab getroffene Abrede, das Spiel dürfe nicht abgebrochen werden, bindet niemanden. Auch bei Consensual Non-Consent ist nur der Widerstand gespielt; das Recht, das Spiel tatsächlich zu beenden, bleibt bestehen.
Typische Grenzfälle
- Ein Käfig oder eine Zelle wird nach dem Safeword nicht geöffnet, weil die Szene angeblich noch nicht zu Ende ist.
- Ein Keyholder verweigert nach einem Widerruf die Freigabe. Deshalb gehört zu jeder Keuschhaltung ein jederzeit erreichbarer Notfallschlüssel.
- Eine Sperre lässt sich nach einem Widerruf nicht lösen, weil ein Zeitschloss keine Notöffnung vorsieht. Eine Einschränkung, die sich nicht beenden lässt, ist mit widerrufbarem Konsens nicht vereinbar.
- Eine Person wird bedrängt, eine zuvor abgelehnte Praktik doch zuzulassen. Je nach Mittel kann das eine Nötigung sein, in jedem Fall ist es eine Grenzverletzung.
- Jemand droht mit einem Outing gegenüber Familie oder Arbeitgeber, um eine Session zu erzwingen. Geht es dabei um intime Aufnahmen, kommt zusätzlich Sextortion (Straftatbestand) in Betracht.
Überraschung nur mit vorheriger Absprache
Entführungsspiele und ähnliche Szenarien arbeiten oft mit einem Überraschungsmoment. Dieses Element ist nur vertretbar, wenn vorher ausdrücklich vereinbart wurde, dass und in welchem Rahmen es stattfinden darf. Wer ohne eine solche Absprache jemanden überrumpelt, festhält oder mitnimmt, spielt nicht, sondern begeht einen Übergriff. Eine lange zurückliegende, allgemeine Zustimmung ersetzt keine aktuelle Klärung.
Warum das kein BDSM ist und wo es Hilfe gibt
BDSM spielt mit Freiheitsentzug und Druck, übt beides aber nicht gegen den Willen einer Person aus. Sobald die Zustimmung fehlt oder zurückgenommen wurde, bleibt von der Inszenierung nur die tatsächliche Einschränkung übrig und damit eine Grenzverletzung, gegebenenfalls eine Straftat. Wie weit eine Zustimmung rechtlich reicht, beschreibt auch der Begriff Einwilligung in Körperverletzung; wiederkehrende Muster aus Kontrolle und Angst behandelt Missbrauch in BDSM-Beziehungen. Betroffene finden vertrauliche Unterstützung bei Opferschutz und Beratungsstellen und eine rechtliche Einordnung in anwaltlicher Beratung. Im akuten Notfall gilt der Notruf 112.